Verfahren
Arcandor: Justiz überprüft Middelhoff

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gerät ins Visier der Justiz: Dem im Februar entlassenen Manager könnten nun private Verflechtungen mit dem Immobiliengeschäft von Arcandor zum Verhängnis werden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Essen ist eingeschaltet. Dabei sind die Vorgänge seit Jahren bekannt.

DÜSSELDORF. Im Verlauf der Rettungsaktion für den ins Schlingern geratenen Arcandor-Konzern gerät dessen Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff immer stärker ins Kreuzfeuer.

Dem gescheiterten Sanierer, der Ende Februar vorzeitig seinen Stuhl für den Nachfolger Karl-Gerhard Eick räumen musste, könnten nun seine privaten Verflechtungen mit dem Immobiliengeschäft von Arcandor zum Verhängnis werden.

Um den Fall kümmert sich inzwischen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Die SPD-Politikerin hatte sich besorgt über Zeitungsartikel geäußert, die über die Beteiligung von Middelhoff und seiner Ehefrau an Karstadt-Immobilien berichteten. Zypries hatte daraufhin den Vorgang an ihre nordrhein-westfälische Amtskollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) nach Düsseldorf weitergeleitet, die nun nach Angaben eines Sprechers die zuständige Staatsanwaltschaft Essen einschaltete.

Dabei ist der Vorgang seit Jahren bekannt. Schon vor der Berufung an die Spitze des damals noch unter dem Namen Karstadt-Quelle firmierenden Konzerns hatte sich Middelhoff an Immobilienfonds der Privatbank Sal. Oppenheim und deren Geschäftspartner Josef Esch beteiligt. Das Geld stammte aus der Abfindung, die Middelhoff nach seinem unfreiwilligen Abgang bei Bertelsmann kassierte hatte. Diese Fonds sind bis heute bei insgesamt fünf Karstadt-Häusern investiert.

Dass Middelhoff als Privatmann an hohen, als Vorstandsvorsitzender aber an niedrigen Mieten in diesen Häusern interessiert sein musste, beschäftigte in den vergangenen Jahren nahezu jeden Hauptversammlung des Konzerns – ohne das jemals die Staatsanwaltschaft eingriff. Den Aktionären sicherte Middelhoff zu, sich als Befangener gegebenenfalls bei Entscheidungen des Unternehmens zu enthalten.

Darüber scheint Ministerin Zypries offenbar ihre Zweifel zu hegen. Nicht nur die Politikerin möchte wissen, warum die Mieten für diese fünf Häuser – unter anderem in Karlsruhe, Leipzig und München – deutlich höher liegen als üblicherweise im Konzern. Während laut einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im letzten Geschäftsjahr durchschnittlich 7,2 Prozent der Warenhaus-Umsätze an die Vermieter weitergereicht wurden, zahlte man für Häuser aus dem Oppenheim-Esch-Fonds bis zu 17 Prozent, wie ein Arcandor-Vorstand vertraulich berichtet.

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