Verhandlungen mit Interessenten
Rom will Alitalia bis Weihnachten verkaufen

Die italienische Regierung will den Verkauf der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia bis Weihnachten abgeschlossen haben. Die besten Chancen werden Lufthansa und Air France-KLM eingeräumt.

DÜSSELDORF/MAILAND. Der italienische Regierungschef Romano Prodi sagte, er sei zuversichtlich, bis Weihnachten einen neuen Partner gefunden zu haben. Damit trat er Gerüchten entgegen, die Verhandlungen könnten sich noch bis Anfang 2008 hinziehen.

Der italienische Staat will sich von seinen 49,9 Prozent an Alitalia trennen. Ursprünglich wollte die Fluggesellschaft schon Mitte November bekannt geben, mit wem sie exklusive Verhandlungen aufnehmen will. Alitalia teilte am Mittwoch mit, dass es die unverbindlichen Angebote nun bis zum kommenden Donnerstag, dem 6. Dezember erwartet. Die Verhandlungen mit den Interessenten liefen derzeit noch. Zuvor hatte Alitalia bereits mitgeteilt, dass die Entscheidung darüber, mit welchem Bieter exklusiv verhandelt werden soll, in der ersten Dezemberhälfte fallen wird.

Im Rennen sind noch die Deutsche Lufthansa, Air France-KLM und die italienische Air One. Die besten Chancen werden Lufthansa und Air France-KLM eingeräumt. Der italienische Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa etwa sagte, dass er sich einen "soliden strategischen Partner“ wünscht. Die Franzosen und die Deutschen werfen jeder für sich gewichtige Argumente in die Waagschale: Air France-KLM kann aufgrund der bisherigen Kooperation mit Alitalia im Luftfahrtbündnis Skyteam auf eingespielte Prozesse setzen, und Lufthansa würde sich ernsthaft in Italien engagieren. Bisher hatte Lufthansa mit ihrer Tochter Air Dolomiti im norditalienischen Geschäftsreisemarkt gewildert und mit Air One eine Anti-Alitalia-Allianz geschmiedet.

Lufthansa prüft nach Informationen aus Konzernkreisen, wie die strategische Frage der Drehkreuze zu klären ist. Alitalia unterhält derzeit noch zwei Drehkreuze: Mailand-Malpensa und Rom-Fiumicino. Ökonomisch sinnvoll wäre die Konzentration auf eines, doch gilt dies als politisch nur schwer durchzusetzen. Als Szenario wird bei Lufthansa deshalb die Aufspaltung in ein touristisches Drehkreuz (Rom) und ein Geschäftsreise-Drehkreuz (Mailand) diskutiert. Allerdings gilt auch diese Lösung als nicht optimal. Mit München und Zürich hat Lufthansa schon zwei Hubs in der Alpenregion. Als sicher gilt darüberhinaus, dass Lufthansa auch bei einer Minderheitsbeteiligung von 49,9 Prozent die operative Führung beansprucht und dass die Flotte um rund ein Drittel – um die Typen MD80 und B767 – reduziert werden soll.

Der italienische Staat hatte im Frühjahr schon einmal versucht, Alitalia zu verkaufen. Doch waren wegen der hohen Auflagen nach und nach alle Interessenten abgesprungen. Diesmal soll Alitalia direkt mit den Käufern verhandeln. Die schwierigen Beziehungen mit den Gewerkschaften erschweren den Verkauf aber weiter. Auch für diesen Freitag haben die Mitarbeiter – die zu den bestbezahlten der Branche gehören – einen Streik angekündigt. Alitalia hat 2006 mehr als 600 Mill. Euro verloren und auch im ersten Halbjahr diesen Jahres bereits 211 Mill. Euro Verlust eingeflogen. Die Deutsche Bank beziffert den Wert der Alitalia in einer aktuellen Analyse deshalb auf weniger als Null.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%