Verhandlungen über die Sanierung der Fluggesellschaft sollen bis Mittwoch abgeschlossen sein
Alitalia setzt Gewerkschaften Ultimatum

Das Kräftemessen zwischen dem Management der Alitalia und den Gewerkschaften neigt sich dem Ende zu. Alitalia-Präsident Giancarlo Cimoli teilte den Arbeitnehmervertretern mit, dass sie dem Umbau der angeschlagenen Fluggesellschaft bis Mittwoch zustimmen müssten. Sollte es bis dahin keine Einigung über die Streichung von 5 000 Jobs und über andere Notmaßnahmen wie die Aufspaltung der Gesellschaft geben, sei der Gang zum Konkursrichter unausweichlich.

MAILAND. Parallel zu den schwierigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften spricht Cimoli auch mit der Air France über Veränderungen der 2001 geschlossenen Partnerschaft. In einem Interview mit der italienischen Wochenzeitschrift „L’Espresso“ drohte Cimoli: „Entweder wir finden in zwei oder drei Monaten eine Lösung oder es kommt zum Bruch. Es gibt nichts, was irreversibel ist.“ Ein Unternehmenssprecher stellte klar, dass ausschließlich die bilateralen Abkommen zwischen der Air France und der Alitalia zur Diskussion stünden. Unangetastet bliebe die Mitgliedschaft in der globalen Allianz Skyteam, an der neben den Franzosen auch Delta Airlines und andere beteiligt sind.

Nach Ansicht von Branchenexperten ist es eher unrealistisch, dass Alitalia künftig eine Partnerschaft mit der Lufthansa suchen könnte. Schließlich sei die deutsche Fluggesellschaft in Italien unter anderem über die Tochter Air Dolomiti und über eine Kooperation mit Air One, Alitalias wichtigstem Inlandskonkurrenten, bereits bestens positioniert. Air Dolomiti verbindet die norditalienischen Flughäfen mit den Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt und München. Air One transportiert vor allem auf der für Geschäftskunden wichtigen und daher ertragreichen Route Mailand-Rom insgesamt fünf Millionen Passagiere pro Jahr.

Alitalia verfügt nach hohen Verlusten derzeit schätzungsweise nur noch über 40 Mill. Euro Liquidität. Eine Fortführung des regulären Geschäftsbetriebes ist unter diesen Bedingungen noch bis zum Ende des Monats gewährleistet. Einen staatlich garantierten Überbrückungskredit, der bereits von der EU genehmigt wurde, kann Cimoli nur in Anspruch nehmen, wenn mit der Belegschaft eine Einigung über den Sanierungsplan erzielt wird. Aus dem Lager der insgesamt neun beteiligten Gewerkschaften kamen am Wochenende unterschiedliche Signale: Während die Vertreter der Piloten von einer guten Basis für einen Abschluss der Verhandlungen sprachen, äußerten sich die Verbände der Flugbegleiter und des Bodenpersonals pessimistisch.

Alle Gewerkschaften forderten Hilfe von der Regierung, die mit 62 Prozent der größte Anteilseigner des Unternehmens ist. Diese argumentiert, staatliche Beihilfen seien auf Grund der europäischen Regeln verboten. Im Rahmen von zwei Kapitalerhöhungen hatte der Staat bereits zwischen 1997 und 2002 Alitalia mit insgesamt 2,3 Mrd. Euro geholfen. Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Marco Tassone, hat aber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones in Aussicht gestellt, dass der Staat den entlassenen Alitalia-Mitarbeitern finanzielle Hilfen zukommen lassen könnte. Bislang gibt es eine solche Arbeitslosenunterstützung per Gesetz nur für Beschäftigte der Industrie, beispielsweise Fiat. Diese Regelung könnte aber auch auf Großkonzerne des Transportsektors ausgeweitet werden, sagte Tassone. Er sehe dies als ein Mittel an, um die Gespräche zu einem positiven Abschluss zu bringen.

Alitalia schreibt auf Grund einer ungünstigen Kostenstruktur ständig Verluste. In den vergangenen Jahren hat der Konzern ein einziges Mal (1998) aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einen Gewinn erwirtschaftet. Sämtliche bisherigen Sanierungsversuche sind an den Widerständen der Gewerkschaften gescheitert. Alitalia hat im ersten Halbjahr ein Minus von 330 Mill. Euro eingefahren. Für das Gesamtjahr geht das Management davon aus, dass der Vorjahresverlust von 520 Mill. Euro wiederholt wird.

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