Verhandlungen vor dem Abschluss
Schuhhersteller Sioux steht vor Übernahme

Der Schuhhersteller Sioux hatte mit seinen Muttergesellschaften bisher wenig Glück. Der Eigentümer Salamander wankte jahrelang am Rande der Katastrophe, bevor 2004 nur der Insolvenzantrag blieb. Da hatte sich Sioux zwar schon in die Arme des Luxus-Konzerns Egana Goldpfeil gerettet, doch auch der ist inzwischen pleite. Nun will sich ein Finanzinvestor an dem Unternehmen mit der ausgefallenen Indianer-Werbung versuchen.

WALHEIM. Der traditionsreiche Schuhhersteller Sioux steht erneut vor einem Eigentümerwechsel. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Square Four Investments Exklusivität für Verhandlungen erhalten, die nun kurz vor dem Abschluss stehen. Holger Lessing, der Insolvenzverwalter der Sioux-Mutter Egana Goldpfeil, bestätigte dies. Lewin Berner, Geschäftsführer von Square Four sagte: "Wir können bestätigen, dass wir ein Angebot abgegeben haben." Zu Details und der Höhe des Angebots wollte er sich nicht äußern.

Sioux war 2008 Jahr durch den Zerfall von Egana Goldpfeil in Bedrängnis geraten. Dessen Gründer Hans-Joerg Seeberger hatte unter dem Dach von Egana Dutzende von Markenunternehmen vereint - von Salamander und Sioux über den Uhrenhersteller Junghans bis hin zum Luxustaschenfabrikanten Goldpfeil. Der Umsatz wurde seinerzeit mit 560 Millionen Euro, der Jahresüberschuss mit 29 Millionen Euro angegeben.

Bereits 2007 aber kamen schwere Zweifel an dem Unternehmen auf. Eine Untersuchung der Prüfungsgesellschaft KMPG ergab, dass weite Teile der ausgewiesenen Kundenforderungen unsicher seien. Firmenchef Seeberger erkrankte so schwer, dass er nach Firmenangaben nur noch von Familienangehörigen angesprochen werden konnte. Gleichzeitig tauchte seine Unterschrift aber weiterhin auf offiziellen Firmendokumenten auf. Seeberger starb im Oktober 2007, ein halbes Jahr später war Egana pleite.

Für Sioux wiederholte sich damit die Geschichte. Auch der vorherige Besitzer Salamander musste Insolvenz anmelden - und schon zuvor schadeten die immer neuen Hiobsbotschaften bei der Mutter Salamander auch der Tochter Sioux. Dabei war das Walheimer Unternehmen lange Zeit erfolgreich. Mit seiner Indianer-Werbung sorgte Sioux immer wieder für Aufsehen und einen hohen Bekanntheitsgrad bei den Kunden. 1999 erhielt Sioux gemeinsam mit seiner Werbeagentur Godenrath, Preiswerk & Partner den silbernen Effie, die wichtigste Werbeauszeichnung der deutschen Wirtschaft.

Zuletzt aber arbeitete auch Sioux kaum noch profitabel - zumal Gewinne per Cash Pooling an die Mutter abflossen. Das Unternehmen beschäftigt 100 Mitarbeiter in Walheim und 300 in Portugal. Der Jahresumsatz liegt bei rund 50 Millionen Euro.

Der künftige Besitzer Square Four ist auf Übernahmen von krisengeschüttelten Unternehmen spezialisiert. Der Investor hat seinen Schwerpunkt auf der Konsumgüterindustrie und dem Handel und will seine Beteiligungen jeweils mindestens fünf Jahre lang halten. In den vergangenen zwei Jahren hat Square Four fünf Unternehmen mit rund 2 000 Mitarbeitern erworben. Zuletzt war die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft bei der Schuhfabrik Erich Rohde eingestiegen, davor bei den Polstermöbelherstellern Weco und Laauser.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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