Verkauf von Ondeo Nalco bringt 4 Milliarden Euro ein, stößt bei Analysten aber auf Kritik
Suez baut Schulden überraschend schnell ab

Der französische Wasser- und Energieversorger Suez trägt seinen enormen Schuldenberg schneller ab als erwartet. Der Konzern bestätigte gam Donnerstag, dass er den Wasseraufbereiter Ondeo Nalco für 4 Mrd. Euro an eine Investoren-Gruppe um die US-amerikanische Private-Equity-Firma Blackstone veräußert.

juf PARIS/DÜSSELDORF. Damit habe man in diesem Jahr 10 Mrd. Euro Schulden abgebaut und das bis Ende 2004 gesetzte Ziel, die Verbindlichkeiten um ein Drittel zu verringern, schon jetzt erreicht, teilte Suez mit.

Konzernchef Gerard Mestrallet hatte Anfang Januar angekündigt, innerhalb von zwei Jahren die Kosten zu senken und die Verbindlichkeiten radikal abzubauen. Er versucht damit, das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen. Anfang des Jahres hatten Gerüchte über einen Liquiditätsengpass den Aktienkurs um mehr als 40 % gedrückt.

Suez war in den 90er Jahren einen aggressiven Expansionskurs gefahren und häufte bis Ende 2002 einen Schuldenberg von 26 Mrd. Euro an. Jetzt zieht sich das Unternehmen aus Randgeschäften zurück und konzentriert sich auf die Kernbereiche Energie, Wasser und Entsorgung.

In den vergangenen Monaten stieß Suez Beteiligungen am Baukonzern Vinci, dem Ölkonzern Total, den Finanzkonzernen Axa und Fortis und dem britischen Wasserversorger Northrumbian Water ab. Und der Verkauf soll zügig weitergehen: Der ehemalige Mischkonzern kündigte gestern an, auch seine Beteiligungen im Kommunikations- und Medienbereich zu veräußern. Suez ist unter anderem an mehreren Kabelnetzbetreibern und dem Lokalfernsehsender M6 beteiligt.

Die Strategie ist aber nicht unumstritten. Suez verkaufe nicht nur Randbeteiligungen, sondern habe sich mit dem Wasseraufbereiter nun auch aus einem strategisch wichtigen Geschäftsfeld zurückgezogen, kritisieren Analysten. Der Verkaufspreis liege zwar über den Schätzungen, urteilte die Investmentbank Helaba Trust: „Unter strategischen Gesichtspunkten können wir jedoch die Veräußerung nicht nachvollziehen.“ Ondeo Nalco sei bislang ein wichtiger Baustein in der Strategie auf dem US-Wassermarkt gewesen. Das Unternehmen sollte Suez als Türöffner für das Wassergeschäft mit Stadtwerken und Unternehmen in den USA dienen. „Ich frage mich, was die eigentliche Strategie des Unternehmens ist – außer dem Schuldenabbau“, merkte ein Fondsmanager in Paris an. Suez hielt entgegen, durch den Verkauf verbessere sich die Finanzlage nachhaltig. Unter anderem erhöhe sich die Rendite des Gesamtkonzerns um 0,5 %.

Ondeo Nalco ist der weltgrößte Spezialist für Wasseraufbereitung. Er bietet sowohl Spezialchemikalien als auch Dienstleistungen an, kommt auf einen Umsatz von rund 2,5 Mrd. Euro und beschäftigt 10 000 Mitarbeiter. Die chemische Wasseraufbereitung gilt als Zukunftsmarkt mit zweistelligen Wachstumsraten. Vor allem Unternehmen aus der Energie-, Papier- oder Chemiebranche benötigen immer mehr reines Wasser für ihre Produktion. Neben Blackstone gehören dem Käuferkonsortium auch Apollo Management und Goldman Sachs Capital Partners an.

Der Konzernumbau drückte im ersten Halbjahr auf die Bilanz: Abschreibungen im Zuge des umfangreichen Verkaufsprozesses hätten das Ergebnis mit 2 Mrd. Euro belastet, hieß es. Suez wies deshalb einen Rekordverlust von 1,64 Mrd. Euro aus, nach einem Gewinn von 164 Mill. Euro ein Jahr zuvor. „Das Nettoergebnis fiel enttäuschend aus“, urteilten die Analysten von Helaba Trust. Der Umsatz erhöhte sich um 4,3 % auf 20,68 Mrd. Euro. Die Aktie gab an der Pariser Börse zunächst deutlich nach, erholte sich im Handelsverlauf aber wieder.

Quelle: Handelsblatt

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