Verschnaufpause für Zumwinkel
Post geht auf Integrationskurs

Die Deutsche Post geht nach einem Einkaufsmarathon mit zahlreichen Übernahmen auf Konsolidierungs- und Integrationskurs. Post-Chef Klaus Zumwinkel setzt dem Konzern für 2006 bescheidenere Ergebnisziele und verordnet eine Verschnaufpause. Gleichzeitig will er für 2005 die Dividende um 40 Prozent auf 70 Cent je Aktie erhöhen.

BONN. An der Börse ließen die verhaltenen Aussichten des Konzerns die Post-Aktie um sieben Prozent einbrechen. Analysten waren vom Ausblick enttäuscht. Sie wollen die Prognosen für die Post überdenken.

„Wir wollen nicht verhehlen, dass nicht alle Unternehmensbereiche in der gewünschten Weise zum Gesamterfolg des Konzerns beigetragen haben“, sagte Zumwinkel. Bei einem durch Übernahmen bedingten Umsatzplus um 35 Prozent auf gut 60 Mrd. Euro erwartet der Logistikkonzern 2006 ein Ebit lediglich auf Vorjahresniveau von „mindestens 3,7 Mrd. Euro“. Vor allem Probleme bei der Integration des Expressgeschäfts in den USA und Europa belasten den Konzern. Aber auch im Briefgeschäft, in dem der Konzern noch den Löwenanteil des Gewinns erzielt, steht die Post durch den zunehmenden Wettbewerb im Zuge der Liberalisierung des Briefmarktes unter Druck. Postbank und BHW müssen ebenfalls noch zusammengelegt werden.

Analysten warnen vor weiteren Risiken, wenn die Integration des 5,6 Mrd. Euro schweren Zukaufs des britischen Logistikers Exel erfolgt. „Es könnte auch einen Tick schlechter ausfallen, wenn die Kosten für die Exel-Integration die Erwartungen des Managements übersteigen“, sagte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Der Konzern werde noch in den kommenden zwei Jahren mit Integrationsaufgaben beschäftigt sein, meinen die Deutsche-Bank-Analysten Nicholas Ward und Matthew Smith.

Um die Integration voranzutreiben, legt Zumwinkel ein neues Strategieprogramm unter dem Namen „First Choice“ auf. Die Post will bei der Qualität führend sein und sich so beim Kunden weltweit als „erste Wahl“ präsentieren. Vorbild ist das Programm „Six Sigma“ des US-Konzerns General Electric. „Wie Jack Welch werde ich persönlich Verantwortung übernehmen“, sagte Zumwinkel. Ziel sei es, das operative Ergebnis bis 2009 um 1,3 Mrd. Euro auf fünf Mrd. Euro zu steigern. Insgesamt ziele das Programm in die richtige Richtung, schreibt Helaba-Trust-Analyst Holger Bosse, da bei der aggressiven Akquisitionspolitik der letzten Jahre sowohl der Qualitätsgedanke als auch der Kunde etwas in den Hintergrund getreten seien. Die ersten Früchte dürften sich kaum vor 2007 zeigen.

Besondere Probleme bereitet der Post der Aufbau des US-Expressgeschäfts. Dort traten nach dem Zusammenlegen zweier Luftdrehkreuze massive Pannen auf. Viele Kunden kündigten wegen Serviceproblemen. Post-Vorstandsmitglied John Mullen hat den Rückschlag noch nicht wieder aufgeholt. Er rechnet erst 2007 mit einer „deutlichen Verbesserung“. Spätestens 2009 soll das US-Geschäft, in dem sich die Post im harten Wettbewerb gegen die Marktführer UPS und Fedex behaupten muss, einen positiven Ergebnisbeitrag liefern. Ursprünglich wollte der Konzern bereits in diesem Jahr in den USA schwarze Zahlen erreichen.

Post-Vorstand und DHL-Europa-Chef Peter Kruse räumte auch Schwierigkeiten im europäischen Expressgeschäft ein. Es habe vor allem in Großbritannien und Frankreich „länderspezifische Probleme“ bei der Integration der zahlreichen Übernahmen gegeben. Nach Österreich und Großbritannien hat der Konzern auch in Frankreich die Geschäftsführung ausgetauscht. Stephane Corthier folgt Olivier Diehl als Frankreich-Chef von DHL Express. Corthier war zuvor Marketing-Chef von DHL-Express in Frankreich. Kruse begründete den Wechsel mit Verlusten in Frankreich. Dort werden drei Netzwerke zusammengelegt. In Großbritannien hätten Kapazitätsprobleme wegen einer Fehleinschätzung des Marktes zu überproportionalen Kostensteigerungen geführt. Doch in Großbritannien sei DHL Express profitabel, sagte Kruse. DHL Express ist mit einem Anteil von 20 Prozent Marktführer in Europa vor DPD, TNT und UPS.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%