Verunsicherte Kunden
Finanzkrise trifft deutsche Dienstleister

Die internationale Finanzkrise hat den Dienstleistern in Deutschland zum Jahresende überraschend deutlich zugesetzt. Wegen verunsicherter Kunden erhielten die Unternehmen erstmals seit März 2005 weniger Neuaufträge, was das Wachstum auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren drückte, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Freitag mitteilte. Experten bewerten das als schlechtes Zeichen für das kommende Jahr.

HB BERLIN. Der NTC-Einkaufsmanagerindex (EMI) sank auf 51,2 Punkte von 53,1 im November und war damit niedriger als geschätzt. Werte über 50 Punkte zeigen Wachstum an, Werte darunter einen Rückgang. Wegen der Schwäche in Deutschland sowie schrumpfender Geschäfte in Italien verloren die Dienstleister in der Euro-Zone ebenfalls an Schwung. Die Daten sind nach Einschätzung von Volkswirten ein Vorbote für die erwartete Abschwächung der Konjunktur in diesem Jahr.

„Da der Auftragseingang erstmals seit fast drei Jahren zurückging, konnte nur durch die Abarbeitung unerledigter Aufträge überhaupt noch ein leichtes Geschäftswachstum erzielt werden“, teilte NTC mit. Wegen der angespannten Situation auf den Kreditmärkten sowie höherer Transportkosten hätten Kunden Aufträge spürbar reduziert, ergab die Umfrage unter rund 450 deutschen Dienstleistern. Der Index für die Neuaufträge sank auf 48,9 von 52,3 Punkten. Am stärksten sei das Neugeschäft im Bereich Vermittlung von Finanzdienstleistungen eingebrochen. Auch in der Hotellerie und bei Gaststätten lief es schlecht.

„Die Schwäche in Deutschland war schon überraschend“, sagte Analyst Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Stand von 52,4 gerechnet. Weidensteiner führt die Entwicklung auf die relativ geringe Binnennachfrage in Deutschland zurück. Zudem habe die Finanzmarktkrise offenbar deutlich stärkere Spuren hinterlassen als etwa in Frankreich, sagte er.

Für die Beschäftigung gab es im Dezember dennoch positive Impulse. „Die Servicefirmen setzten ihren kräftigen Beschäftigungsaufbau fort“, teilte das Institut mit. In Deutschland seien vor allem Kapazitätsengpässe Grund für den Stellenaufbau gewesen. Allerdings schwächte sich das Plus beim Beschäftigungsaufbau auf den niedrigsten Stand seit April vergangenen Jahres ab. Auch in der Euro-Zone verlangsamte sich der Stellenaufbau.“Ohne Bedarfssteigerungen ist davon auszugehen, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten ihre Betriebskapazitäten reduzieren werden“, sagte der RBS-Chefvolkswirt für die Euro-Zone, Jacques Cailloux. Für das neue Jahr rechnet er daher mit weniger Neueinstellungen.

Insgesamt verlangsamten sich die Geschäfte der Dienstleister in der Euro-Zone auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren: der RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex sackte überraschend auf 53,1 Zähler von 54,1 Punkten im November ab. „Bedauerlicherweise deuten die Ergebnisse auf eine weitere Wachstumsabschwächung im neuen Jahr hin“, sagte Cailloux. So sehen es auch die meisten Volkswirte. „Die Daten bestätigen das Bild, dass das Wachstum im nächsten Jahr schwächer sein wird“, sagte Weidensteiner.

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