Virtuelle Einkaufszentren
Online-Handel stößt an Grenzen

Die beiden Flaggschiffe im internationalen Onlinehandel, Amazon und Ebay, geraten zunehmend in schwieriges Fahrwasser. Zwar steigern die großen börsennotierten Interneteinzelhändler weiterhin ihren Umsatz. Doch die Ertragskraft beider Unternehmen schwindet. Grund ist der zunehmende Konkurrenzdruck in der Branche.

HB DÜSSELDORF. Der weltgrößte Onlinehändler Amazon hat im zurückliegenden Quartal einen operativen Gewinn von 47 Mill. Dollar gemacht. Damit kommt der einstige Senkrechtstarter der New Economy auf eine Marge von nur noch 2,2 Prozent – nach fast sechs Prozent vor einem Jahr. Die Börse reagierte verärgert auf den Rückgang: Die Aktie brach gestern an der Wall Street um mehr als 20 Prozent ein. Auch die Ebay-Aktie gab nach.

Nicht einmal mehr im Vergleich zum gebeutelten deutschen Einzelhandel macht Amazon eine gute Figur: Die Hagener Douglas-Gruppe, mit ihrer Thalia-Buchhandelskette in Deutschland größter Wettbewerber von Amazon, schaffte im letzten Geschäftsjahr eine Marge von immerhin fünf Prozent.

Besserung ist bei Amazon vorerst nicht in Sicht. Der Betriebsgewinn werde 2006 wohl nicht wie angekündigt die Marke von 520 Mill. Dollar erreichen, räumte Finanzchef Tom Szkutak ein, sondern nur 310 bis 440 Mill. Dollar.

Einen ebenso heftigen Kurseinbruch hatte in der vorigen Woche bereits der mächtige Rivale Ebay zu verkraften. Das kalifornische Online-Auktionshaus musste eingestehen, dass im zweiten Quartal die Gewinnspanne im operativen Geschäft um 18 Prozent gesunken ist. Zum ersten Mal kündigte Konzernchefin Meg Whitman zudem einen schrumpfenden Umsatz an.

Dass die dominierenden Internethändler bereits an ihre Grenzen stoßen, überrascht. Denn ein Ende des Onlinewachstums ist nach Ansicht von Experten längst nicht in Sicht. Allein in Deutschland stieg der Onlinehandel mit Privatkunden 2005 um 43 Prozent auf 32 Mrd. Euro. Bis 2009, schätzt Axel Garbers vom Branchenverband Bitkom, könnte sich das Geschäft auf 114 Mrd. Euro sogar mehr als verdreifachen.

Doch das kräftige Anwachsen der Internetgemeinde ist womöglich sogar einer der Gründe für die schwindenden Gewinnspannen im Onlinehandel. „Früher zählten nur Besserverdienende zu den Onlinekäufern“, erläutert Jaap Favier, Vice President der Beratungsfirma Forrester Research. Mit der Ausbreitung des Internets auch bei weniger gut verdienenden Kunden hätten sich die durchschnittlichen Bestellmengen deutlich reduziert – und damit die Margen der Anbieter.

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