Warenhaus-Comeback
Karstadt geht es besser als erwartet

Mit dem Sanierer Thomas Fox kommt der Warenhauskonzern deutlich gestärkt aus dem Insolvenzverfahren – und wächst wieder profitabel. Damit könnte sich für Investor Nicolas Berggruen der Kauf des Unternehmens als Schnäppchen erweisen.
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BERLIN. Der Warenhauskonzern Karstadt war nach seiner Pleite vor anderthalb Jahren lange Zeit der größte Todeskandidat im deutschen Einzelhandel. Jetzt wächst das Unternehmen wieder profitabel – und das doppelt so schnell wie Erzrivale Kaufhof. Das geht aus den Zahlen hervor, in die Unternehmenschef Thomas Fox auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin Einblick gewährte. Fast zwei Jahre waren die Ergebnisse unveröffentlicht geblieben.

Danach geht Karstadt deutlich gestärkt aus dem Insolvenzverfahren, das die Essener Ende September beenden konnten. Kurz zuvor hatte der deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen Karstadt für 70 Mio. Euro übernommen.

Für ihn könnte sich der Zukauf nun als Schnäppchen erweisen: Um 7,4 Prozent schnellte der Umsatz im Herbstquartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach oben, und auch ins Weihnachtsgeschäft sei man ordentlich gestartet. Die Metro-Tochter Kaufhof, die nach der Karstadt-Pleite auf eine günstige Übernahme zahlreicher Warenhausstandorte gehofft hatte, musste sich in diesem Zeitraum mit einem Plus von 3,5 Prozent begnügen.

Laut Karstadt-Chef Thomas Fox arbeitet der Konzern erstmals wieder profitabel. Beklagten die Essener vor zwei Jahren noch einen Betriebsverlust (Ebitda) von 120 Mio. Euro, schaffte Karstadt in dem Ende September beendeten Geschäftsjahr 2009/10 ein Plus von 93 Mio. Euro. „Wir hatten allenfalls mit 35 Mio. Euro gerechnet“, erklärte Fox.

Geld soll reinvestiert werden

Da Karstadt nach dem Insolvenzverfahren kaum Bankenkredite belasten und Fox die Abschreibungen mit etwa 60 Mio. Euro angibt, reichte es 2009/10 sogar für einen Vorsteuergewinn – auch wenn noch Zusatzbelastungen für das Insolvenzverfahren zu erwarten sind.

Dies alles sei drastischen Kostensenkungen zu verdanken, dem Ausscheiden aus dem teuren Konzernverbund mit Arcandor, aber auch der Schließung von acht Verlustbringern. „Es gibt derzeit kein einziges Haus mehr“, so Fox, „das einen negativen Ergebnisbeitrag leistet.“

Das verdiente Geld soll komplett reinvestiert werden – in welche Häuser, entscheidet am 16. Dezember der Aufsichtsrat, der seit wenigen Tagen von Rewe-Chef Alain Caparros geführt wird. Sicher aber ist schon jetzt: Üppige Umbauten wie unter dem Vorgänger Thomas Middelhoff wird es nicht mehr geben. „Es existieren Häuser, in die sind 60 Mio. Euro geflossen“, erzählt Fox. „Den Return on Investment werden wir alle nicht mehr erleben.“

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