Warenhauskette
Insolvenzverfahren gegen Hertie eröffnet

Es hatte sich in der vergangenen Woche schon angedeutet, nun ist es traurige Gewissheit: Hertie ist pleite. Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren für die wirtschaftlich angeschlagene Warenhauskette eröffnet. Das könnte schlimme Folgen für die Mitarbeiter haben, schließlich sind Kündigungen nun einfacher durchzuführen.

HB ESSEN. Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren für die Warenhauskette Hertie eröffnet. Das bestätigte eine Sprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Ein Hertie-Unternehmenssprecher betonte am Montag, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten bleiben solle. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren liefen weiter unter Hochdruck. Die angeschlagene Warenhauskette hatte im Juli vergangenen Jahres Insolvenzantrag gestellt.

Nach einem Treffen im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium hatten die Beteiligten in der vergangenen Woche angekündigt, zur Rettung der Warenhauskette „schnellstmöglichst“ einen Antrag auf eine Landesbürgschaft stellen zu wollen. Auf dieser Grundlage werde es zu weiteren Gesprächen kommen, hieß es.

Die Warenhauskette hatte zuvor angekündigt, 54 Filialen mit rund 2 800 Mitarbeitern erhalten zu wollen. 19 weitere Häuser wurden in den vergangenen Wochen bereits geschlossen oder sollen in den kommenden Tagen ihre Tore endgültig schließen. In den Gesprächen hatte das Unternehmen vor allem über zu hohe Mieten für die Hertie- Standorte geklagt.

Am Freitag hatte der Insolvenzverwalter Biner Bähr gesagt, dass das Unternehmen mit 54 Warenhäusern komplett erhalten bleiben soll. Bähr reagierte damit auf ein Angebot des Flensburger Unternehmens Hansekontor, das Interesse angemeldet hatte, sieben Hertie-Häuser in in Schleswig-Holstein und Hamburg zu übernehmen. „Wir haben von dieser Idee ebenfalls gehört. Unser Ziel bleibt dessen ungeachtet, Hertie als Ganzes zu übernehmen“, sagte Hertie-Sprecher Wolfgang Weber-Thedy am Freitag in Essen.

„Wir haben unser Interesse angemeldet und Gespräche mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen“, sagte Hansekontor-Geschäftsführer Mathias Hundertmark dem „Flensburger Tageblatt“. Zudem liege dem Wirtschaftsministerium in Kiel ein Strategiepapier vor. Schleswig- Holsteins Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) sagte, jeder Vorschlag sei willkommen.

Hansekontor will ausschließlich die Häuser in Schleswig-Holstein und Hamburg übernehmen. Er könne sich ein „Hertie-Nord“ vorstellen, sagte Hundertmark. Erstes Ziel des Insolvenzverwalters Biner Bähr sei es jedoch, alle Filialen deutschlandweit an einen Investor zu verkaufen. „Unsere Chancen sehen wir dennoch als gut an“, sagte Hundertmark.

Bei den Gesprächen zur Zukunft der Warenhauskette rechnet Insolvenzverwalter Biner Bähr Anfang März mit einem Ergebnis. „Wir arbeiten sehr intensiv an einer Lösung“, sagte Unternehmenssprecher Weber-Thedy. Noch vor einem Monat hatte der Insolvenzverwalter in Aussicht gestellt, das Unternehmen schließen, falls bis Ende Februar keine Lösung gefunden worden sei.

Nach Gesprächen im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium hatten die Beteiligten am Mittwoch dieser Woche angekündigt, dass eine nicht genannte Investorengruppe „schnellstmöglichst“ eine Landesbürgschaft beantragen wolle. Auf dieser Grundlage werde es zu weiteren Gesprächen kommen, hieß es. Zu Einzelheiten wollte der Hertie-Sprecher am Freitag keine Stellung nehmen.

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