Wegen Kartellwächtern
UPS resigniert bei Übernahme von TNT

Eine der größten Übernahmen in der Logistik-Branche ist geplatzt: Der Paketriese UPS rechnet nicht damit, TNT Express übernehmen zu können. Die EU bangt um den Wettbewerb. Die Absage wird für die Amerikaner aber teuer.
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Atlanta/HoofddorpDie milliardenschwere Fusion der Logistikkonzerne United Parcel Service und TNT Express steht vor dem Aus. Die Europäische Kommission werde den Zusammenschluss voraussichtlich untersagen, teilte UPS am Montag in Atlanta mit. Die Wettbewerbshüter hätten die Unternehmen darüber informiert, dass sie die Ablehnung des Vorhabens vorbereiten.

Wenn es dazu komme, werde UPS dem niederländischen Konkurrenten eine Entschädigung von 200 Millionen Euro zahlen und die Übernahmeofferte zurückziehen, heißt es in der Mitteilung. Eigentlich wollten die Amerikaner den niederländischen Konkurrenten für 5,2 Milliarden Euro schlucken und damit in Europa zum hiesigen Platzhirsch Deutsche Post DHL aufschließen.

Die EU-Kommission wollte am Montag auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Die Entscheidungsfrist läuft zwar am 5. Februar ab, nach bisherigen Angaben wollten die Wettbewerbshüter ihre Entscheidung aber am 15. Januar fällen.

Die TNT-Aktien verloren am Montag gut die Hälfte ihres Werts. Zwischenzeitlich lag der Kurs mit 41,48 Prozent im Minus bei 4,825 Euro. UPS hatte 9,50 Euro je Aktie geboten. Die Aktien des TNT-Hauptaktionärs PostNL, der seinen Anteil an UPS verkaufen wollte, gingen um mehr als ein Drittel in die Knie.

UPS hatte die Übernahme von TNT Express vor einem knappen Jahr angekündigt - und sich damals zuversichtlich gezeigt, dass die Transaktion nicht am Widerstand der Wettbewerbshüter scheitert. Entstehen sollte ein weltweit agierender Gigant mit einem Umsatz von über 45 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Post hatte 2011 abseits des Briefgeschäfts einen Umsatz von rund 39 Milliarden Euro erwirtschaftet. Knapp 400.000 Menschen beschäftigt der US-Konzern weltweit, bei TNT sind es rund 77.000 Personen. „Wir schmieden einen Weltmarktführer“, kündigte UPS-Finanzchef Kurt Kuehn damals an.

Noch Ende November 2012 wollte der Logistikriese UPS die EU-Kommission umstimmen. Der Konzern war zu Zugeständnissen bereit, um die Bedenken gegen die milliardenschwere Übernahme des Konkurrenten TNT Express auszuräumen. UPS und TNT Express waren bereit, Unternehmensteile zu verkaufen und ihre Luftfrachttransporte für andere Unternehmen zu öffnen.

Die Brüsseler Kartellwächter hatten deutlich gemacht, dass sie dem Zusammenschluss nur zustimmen, wenn UPS zu einem erheblichen Entgegenkommen bereit ist. Analysten hatten bereits daran gezweifelt, dass sich die angebotenen Zugeständnisse in die Praxis umsetzen lassen. Dies galt vor allem für die angekündigte Öffnung der Luftfrachtnetze für Wettbewerber.

Ebenso hatten Experten bezweifelt, dass UPS und TNT Unternehmensteile verkaufen könnten. In Branchenkreisen hieß es damals, es werde nicht erwartet, dass etwa der Hauptkonkurrent Deutsche Post Unternehmensteile übernehmen wolle. TNT Express hatte bereits unter Bedingungen seine Fluglinien an die irische ASL Aviation Group veräußert.

„Wir sind angesichts der Position der EU-Kommission außerordentlich enttäuscht“, erklärte UPS-Chef Scott Davis. UPS wolle aber auch ohne TNT Express wachsen, stellte Davis klar. Der Konzern habe die finanzielle Stärke, künftige Gelegenheiten zu ergreifen. TNT Express reagierte ebenfalls enttäuscht angesichts des Scheiterns der Übernahme. Die Pläne hätten das Management von seinen eigentlichen Aufgaben abgelenkt - denen es sich nun wieder zuwenden wolle, hieß es. Nun sollten neue Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität her.

DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky bezeichnete die Neuigkeiten als gute Nachricht für die Deutsche Post. Der Dax-Konzern dürfte von der Beibehaltung der Konkurrenzlage am meisten profitieren. Die Post-Aktie legte jedoch nur leicht um 0,32 Prozent auf 17,01 Euro zu.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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  • UPS und DHL hätte ungefähr einen gleich großen Marktanteil gehabt. UPS hatte auch Zugeständnisse angeboten, trotzdem wollte die Wettbewerbshörde den Zusammenschluss ablehnen. Es scheint so als wenn bei Nachverhandlungen noch mehr rausholen wollte. Diese Erwartung ist nicht aufgegangen. Den Schaden haben jetzt der niederländische Staat, Pensionsfonds und andere Aktionäre. Diese sollten prüfen ob eine Klage gegen die Wettbewerbsbehörde möglich wäre.

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