Weihnachtsgeschäft
Einzelhandel erwartet reiche Bescherung

Es wäre eine willkommene Trendwende: Der Umsatz vor dem Fest könnte 2010 so stark wachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr, glauben Experten. Das Geld der Verbraucher sitzt locker. Ausgerechnet die Unterhaltungselektronik aber verliert an Boden.
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DÜSSELDORF. Noch nie trauten sich Marktforscher so früh mit ihren Weihnachtsprognosen in die Öffentlichkeit – und nur selten waren sie so euphorisch. Dass manche von ihnen vergangenes Jahr mit allzu optimistischen Einschätzungen anschließend daneben lagen, schmälert den Mut der Konjunkturbeobachter offenbar nicht.

„Angesichts des hervorragenden Konsumklimas werden wir ein gutes Weihnachtsgeschäft bekommen“, sagt GfK-Marketingleiter Wolfgang Twardawa. Weil die Kaufkraft der Deutschen 2010 um 2,5 Prozent gestiegen sei, die Arbeitslosigkeit dagegen unter die Drei-Millionen-Marke rutschte, werde es in jedem Fall besser laufen als im Vorjahr.

Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Marco Bargel, Chefvolkswirt Deutschen Postbank, erwartet fürs vierte Quartal einen Zuwachs beim Konsum von 1,7 Prozent. Ausländische Marktforschungsfirmen wie das britische Centre for Retail Research sehen Deutschland beim Weihnachtsgeschäft diesmal sogar europaweit an der Spitze. 1,2 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr sollen in den letzten sechs Wochen des Jahres zusammenkommen, erwartet das Institut aus Nottingham. Mit einem Plus von 1,9 Prozent werde der Umsatz in Deutschland damit doppelt so stark steigen wie im europäischen Durchschnitt.

Das käme nicht nur dem höchsten Zuwachs der letzten zehn Jahre gleich. Gehen die Prognosen in Erfüllung, legt Deutschlands Einzelhandel damit eine Trendwende hin. Seit Jahren nämlich kennt die Umsatzentwicklung vor dem Fest vornehmlich eine Richtung: nach unten.

Dabei bestimmen die Adventsverkäufe maßgeblich den Jahreserfolg der Einzelhändler. Exakt 18,3 Prozent lag im letzten Dezember der deutsche Branchenumsatz über dem Durchschnitt der elf Vormonate. Juweliere, Uhrmacher und Spielwarengeschäfte erwirtschafteten ein Drittel ihrer Erlöse im Weihnachtsgeschäft. Warenhäuser und Parfümerien verdienen ihr Geld allein im Schlussquartal, das regelmäßig die Verluste der vorangegangenen Monate auszugleichen hat.

Wer als Shopbetreiber in dieser Zeit mit unattraktivem Sortiment, falschen Preisen oder schlechter Werbung patzt, riskiert mitunter die komplette Firma – wie vor zwei Jahren die Warenhauskette Karstadt. Dem fast zweistelligen Umsatzeinbruch im Dezember folgte nur Wochen später die Pleite.

An ähnliche Ausfälle aber glaubt in diesem Jahr niemand. „Wir beobachten derzeit ein sehr positives Konsumverhalten“, berichtet Metro-Chef Eckhard Cordes, der gerade erst Rekordzahlen vorlegen konnte. Zudem gebe es mehr Verkaufstage als im Vorjahr. Entsprechend erhöhte Deutschlands größter Handelskonzern jetzt die Gewinnprognose.

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