Weihnachtsgeschäft
Händler vor Ort stechen Onlinehandel aus

Stadtbummel mit Weihnachtsmarkt und Glühwein oder ein schneller Online-Kauf: Weihnachtsgeschenke kaufen die meisten Deutschen in Einkaufszentren und Warenhäusern. Die Wachstumsraten im Online-Handel ließen zuletzt nach.
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Stuttgart/BerlinVollbepackt mit Tüten durch die überfüllte Innenstadt hetzen – oder einfach bequem vom Sofa aus online bestellen und die Geschenke an der Haustür entgegen nehmen? Die meisten Deutschen ziehen Umfragen zufolge den Stadtbummel zwischen Lichterketten und Glühweinduft dem schnellen Klick am heimischen Computer vor.

In einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte gaben zwar zwei Drittel an, das Internet zur Geschenksuche und zum Preisvergleich zu nutzen. 46 Prozent kaufen aber dann auch online, die Mehrheit ziehe den stationären Handel vor. Auch eine Umfrage der Hochschule für Ökonomie & Management kommt zu dem Ergebnis: Einkaufszentrum, Fachgeschäft oder Warenhaus werden der Bestellung über das Internet vorgezogen.

Beim Stuttgarter Spielwarenhändler Kurtz setzt man genau auf diese Karte. „Bei uns kommt der Kunde zum Kaufen ins Geschäft“, sagt Geschäftsführerin Edith Winter. Zwar hat der Händler in der Stuttgarter Innenstadt einen Online-Auftritt inklusive Shop. Bei Spielwaren gehe es aber um die Haptik, das Anfassen und Fühlen. Der Anteil, der online verkauft werde, sei eher gering.

Gleichzeitig ließen die Wachstumsraten im Online-Handel zuletzt nach. Der Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH) dämpfte Ende Oktober seine Prognose. Floppt also das Weihnachtsgeschäft im Netz? Traut man den Prognosen des Einzelhandelsverbands (HDE), lautet die Antwort ganz klar „Nein“: Ein Plus von 18 Prozent sehen die befragten für das Jahresendgeschäft im November und Dezember.

Auch eine Sprecherin des BEVH sagt: „Wir erwarten auch für dieses Jahr wieder starke Impulse für das Jahr und überdurchschnittliche Umsätze.“ Eine genaue Prognose will der Verband Anfang Dezember herausgeben.

Nach Einschätzung von Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung in Köln ist dafür nicht nur die Entwicklung bei den traditionell starken Online-Händlern wie Amazon oder Zalando verantwortlich. Die stationären Händler werben mehr und mehr mit auch online um ihre Kunden.

Im Vaihinger Buchladen in einem Hinterhof am Stadtrand von Stuttgart setzt man seit sechs Jahren auf einen Online-Shop, der direkt mit dem Warenwirtschaftssystem verbunden ist. Ausgeliefert werde zwar nur innerhalb des Stadtteils, mehr könnte man sich nicht leisten, sagt Inhaberin Karin Bilsing. Der Verkauf im Laden und online, sagt sie, steige vor Weihnachten in etwa gleich.

Nach Einschätzung von Experten ist das die richtige Strategie: „Die Kunden kaufen immer flexibler ein; die Grenzen zwischen on- und offline verschmelzen“, sagt Lars Hofacker vom EHI Retail Institute in Köln. „Erfolg hat, wer beide Welten verbindet.“

Das Problem bei vielen Händlern ist aber, dass man sie schon überhaupt nicht online findet, so ein Sprecher des Handelsverbands. Lediglich ein Drittel der stationären Händler hätten schon ein Online-Standbein. Inzwischen gehen sogar Online-Händler offline. Amazon will Berichten zufolge ein Laden in New York eröffnen. Der Technik-Händler „Notebooksbilliger.de“ hat genau wie Konkurrent „Cyberport“ Filialen in mehreren Städten.

„Am Ende entscheidet der Kunde nach dem besten Service“, sagt Thomas Harms, Handels-Experte bei Ernst & Young. Der langfristige Trend zum Online-Handel werde sich aber wohl fortsetzen, ist er überzeugt. Das zeigt auch die Prognose des Einzelhandelsverbands: Während im Online-Geschäft ein Plus von 18 Prozent im Geschäft vor Weihnachten erwartet wird, rechnet man im gesamten Handel nur mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent.

Ob die Gesamtausgaben zu Weihnachten in diesem Jahr steigen oder Konjunktursorgen und internationale Krisen auf die Kauflust drücken – die Prognosen hierzu sind in diesem Jahr uneinheitlich. Der HDE hat in einer Umfrage unter rund 38.000 Verbrauchern herausgefunden, dass sie im Schnitt 447 Euro fürs Fest ausgeben wollen – so viel wie nie.

Andere Umfragen gehen eher von zurückhaltenden Käufern aus. Deloitte rechnet damit, dass die Deutschen in diesem Jahr im Schnitt 266 Euro für Geschenke ausgeben wollen, gut zwei Prozent weniger im Vorjahr. Bei einer Umfrage von Ernst & Young unter Geschenkkäufern ergab, dass sie im Schnitt 219 Euro ausgegeben, gut 20 Prozent weniger als 2013.

„In der Tendenz lagen die Umfragen in den vergangenen Jahren immer richtig“, sagt Ernst-&-Young-Handelsexperte Harms. Beim HDE hingegen verweist man an die höhere Zahl von Interviews, um die Abweichungen zu erklären. Wie das Geschäft tatsächlich ausfallen wird, wird sich wohl erst mit den Einzelhandelsumsätzen im kommenden Jahr zeigen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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