Whole Foods
Aldi jagt Öko-Riesen in den USA

Das Geschäft mit Öko-Lebensmitteln boomt in den USA, lange hatte Whole Foods hier die Nase vorne. Doch die Handelskette gerät mehr und mehr unter Druck – Aldi setzt mit seinem Ableger Trader Joe’s zum Überholmanöver an.
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New YorkSo hatten sich die Anleger das nicht vorgestellt: Zum dritten Mal in Folge senkt die US-Öko-Lebensmittelkette Whole Foods ihre Wachstumsprognosen. Als Folge stürzte die Aktie am Dienstag nachbörslich bis zu 15 Prozent ab. Einer der Gründe dafür: Aldi.

Die Aktie des Rolls-Royce unter den Öko-Läden in den USA hatte am Montag seit Jahresbeginn schon knapp 17 Prozent eingebüßt, als ein weiterer Analyst, Scott Mushkin von Wolfe Research, die Aktie von „outperform“ auf „underperform“ zurücknahm. In erster Line fürchte er die ständig zunehmende Konkurrenz. Als letzter großer Spieler hatte selbst der Handelsgigant Walmart angekündigt, im großen Stil in den Markt für Öko-Produkte einzusteigen. Mushkin: „Whole Foods ist ein gut geführtes Unternehmen. Aber eine ungünstige demographische Entwicklung, eine zähe Wirtschaftsentwicklung und steigende Konkurrenz kreieren aus unserer Sicht den ‚perfekten Sturm‘.“

Am Dienstag kam die nächste Sturmwarnung: Die Zahlen für das am 13. April abgelaufene Quartal zeigten noch einmal ein Rekord-Umsatz, aber die Gewinne lagen weit unter den Erwartungen, der Nettogewinn stagniert bei 142 Millionen Dollar. Die Prognosen für den Umsatzzuwachs im laufenden Geschäftsjahr nimmt das Management zum dritten Mal in Folge, diesmal auf 10,5 bis elf Prozent, zurück. Auch die Vorhersage für den Umsatz auf vergleichbarer Ladenfläche, einer Schlüsselgröße im Einzelhandel, musste Whole Food um rund einen Prozentpunkt senken. Der Gewinn pro Aktie werde nur noch um drei bis sechs Prozent wachsen, nicht wie bisher angenommen um sieben bis zwölf Prozent. Nachrichten, die die Börsianer gar nicht gerne hören.

Whole Foods, bekannt für seine Hochpreisstrategie, ist vor allem bei jüngeren Kunden beliebt. Aber die müssen immer öfter auf den Geldbeutel achten als die ältere Kundschaft. Dazu gehört auch Lina. Wenn sie Whole Foods hört, muss sie Schmunzeln: „Bei uns heißt das nur ‚Whole Paycheck‘“, grinst die junge Angestellte aus San Francisco. Sie schätzt gesundes Essen, aber hier liefert man schnell sein ganzes Monatsgehalt ab. So wie viele andere auch hat sie mittlerweile „Trader Joe’s“ schätzen gelernt. Auch Roland, freier Journalist aus San Francisco, war direkt am ersten Tag da, als Ende 2012 der Laden auf der Hyde Street im noblen Stadtteil Nob Hill eröffnete.

Trader Joe’s gehört zu den schärfsten Konkurrenten von Whole Foods aus Austin, Texas. 1958 in Kalifornien gegründet kam 1979 die Übernahme durch Aldi Nord des mittlerweile verstorbenen Theo Albrecht. Mit über 400 Läden liegt Trader Joe’s bereits vor Whole Foods mit aktuell 378 Verkaufsstellen. Beide richten sich an gesundheits- und umweltbewusste Kunden und legen viel Wert auf eine direkte Ansprache. Whole Foods wendet eine eher klassische Marketingstrategie an, während Trader Joe’s bekannt ist für sein Guerilla-Marketing und unkonventionelle Ideen.

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