Widerstand gebrochen
Circuit City frei für den Verkauf

Der Widerstand ist gebrochen. Der Elektronikhändler Circuit City willigt in Verhandlungen mit der Videoverleihkette Blockbuster ein. Deren Hauptaktionär, Milliardär Carl Icahn, bekräftigte gleichzeitig, dass er die Handelskette auch privat kaufen werde, falls Blockbuster die Finanzierung nicht stemmen könne.

Die heraufziehende Wirtschaftsflaute in den USA, massiver Wettbewerb durch Wal Mart, schlechte Zahlen im ersten Quartal und ein aggressiver Großaktionär haben das Management der Elektronikdiscount-Kette in die Knie gezwungen. Blockbuster darf jetzt in die Bücher schauen, teilte Circuit City am späten Freitag mit. Die selbst in großen Schwierigkeiten steckende Videokette hatte zuvor ein unaufgefordertes Kaufangebot abgegeben. Blockbuster leidet unter wachsendem Druck durch Internet-Videoangebote und Filmdownloads über Web-Shops wie iTunes. Das Filmstudio Warner hatte erst jüngst angekündigt, aktuelle Filme in Zukunft direkt mit dem DVD-Start auch über das Internet anzubieten. Großaktionär Icahn hofft durch den Verbund der beiden Ketten eine neue Marktmacht aus Hard- und Softwareverkauf zu schaffen. Blockbuster hatte am 14. April erstmals ein Angebot unterbreitet, alle ausstehenden Aktien für 6 Dollar pro Aktie in bar zu übernehmen. Das Unternehmen würde damit mit rund 1,35 Mrd. Dollar bewertet. Die Circuit City Aktie schloss Freitag bei 5,07 Dollar, ein deutliches Zeichen, dass die Börse der gesamten Aktion noch sehr skeptisch gegenübersteht.

Circuit City CEO Philipp Schoonover betonte in einer Mitteilung vom Freitag zwar, dass er weiterhin glaube, den Turnaround alleine schaffen zu können. Aber die Einwilligung in Verkaufsgespräche sei der beste Weg, um den Aktionärsinteressen zu dienen. Gleichzeitig heuerte er die Investmentbank Goldman Sachs an, um den Deal vorzubereiten und nach weiteren Käufern Ausschau zu halten. Friedensschluss auch mit dem größten eigenen Aktionär: Wattles Capital Management wird mit Billigung des Vorstands drei eigene Kandidaten für den Circuit City-Aufsichtsrat entsenden. Wattles kündigte daraufhin an, alle Bemühungen des Vorstands zu unterstützen und gemeinsam an einer Lösung der Probleme arbeiten zu wollen. Wattles hatte mit einem Proxy-Fight gedroht, einem Kampf um den Aufsichtsrat, und befürwortet einen Verkauf der Gesellschaft. Blockbuster wiederum bestätigte den Eingang eines Schreibens von Carl Icahn, dass er notfalls eben privat Circuit City übernehmen werde. In einem zweiten Schritt könnte er die Unternehmen später zusammenführen.

Die öffentliche Absicherung einer Finanzierung ist von wichtiger psychologischer Bedeutung. Sie hält zum einen potentielle Gegenbieter ab, die darauf spekulieren könnten, dass Blockbuster in der angespannten Kreditsituation kein Geld von den Banken bekommen könnte. Außerdem wird der mögliche Zusammenschluss von vielen Analysten sehr skeptisch beurteilt. Beide Branchen – Videoverleih und Elektronikhandel – stehen vor dramatischen Veränderungen und unter Druck durch neue Vertriebsformen. Blockbuster kaufe eine "sinkende Titanic", so ein Analyst. Blockbuster CEO Jim Keyes glaubt dagegen daran, dass der Verbund eine „neue 18-Mrd-Dollar-Macht in der konvergierenden Inhalte- und Hardwareindustrie schaffen werde.“

Keyes konnte im Finanzjahr 2007 den Nettoverlust auf 85 Mill. Dollar senken und Analysten erwarten für das Finanzjahr 2008 (zum 30. Juni) den Break Even. Keyes hatte unter anderem den Online-DVD-Vertrieb eingestellt, wieder massiv in die über 7000 Ladenlokale investiert und daneben den Online-Download forciert. Außerdem ist Blockbuster in den boomenden Vertrieb von Videospielen eingestiegen. Circuit City hat seinen Sitz in Richmond, Virginia, und betreibt derzeit 682 so genannte „Superstores“. Im abgelaufenen Finanzjahr sank der Umsatz um 5,5 Prozent auf 11,74 Mrd. Dollar. Auf vergleichbarer Basis ohne Neueröffnungen lag der Umsatzverlust bei 7,7 Prozent. Der Nettoverlust weitete sich von 10,2 auf 321 Mill. Dollar aus. Schoonover hatte in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass eine ganze Reihe der Superstores in Regionen der USA lägen, die durch Subprime-Krise und Arbeitslosigkeit besonders stark getroffen seien. Luxusartikel wie LCD-Fernseher oder Blu-Ray-Spieler stehen nicht mehr ganz oben auf der Wunschliste der Verbraucher. Einstmals große Wettbewerber wie CompUSA haben im vergangenen Jahr bereits bankrott angemeldet, aber Circuit City konnte nicht davon profitieren. Die Marktanteile dieser Unternehmen wurden schnell durch große Ketten wie Wal Mart aufgesaugt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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