Widerstand gegen Übernahme
Piloten wollen Qantas-Verkauf an Finanzinvestoren blockieren

Die Piloten von Qantas Airways wollen den Verkauf der australischen Fluglinie an ein Anlegerkonsortium verhindern, indem sie eine Sperrminorität an den Aktien erwerben. Wie der Sprecher der Pilotenvereinigung, Peter Somerville, am Montag in Sydney erklärte, fürchten die Captains um die Sicherheit der Kängurulinie.

SYDNEY. „Wenn immer deutlicher wirtschaftlicher Druck auf Piloten ausgeübt wird, fürchten sie um ihren hohen beruflichen Standard. Kommerzieller Druck könnte negative Auswirkungen auf diesen Standard haben“, so Somerville. Er sprach von der Möglichkeit, dass jeder der mehreren hundert Qantas-Piloten Aktien im Wert von bis zu 50 000 Australischen Dollar kaufen könnte. Ziel wäre es, einen „kontrollierenden Anteil“ zu erreichen, mit dem die vorgeschlagene Übernahme blockiert werden könnte, erklärte Somerville. Die Pilotenvereinigung habe das Gespräch mit dem Anbieterkonsortium gesucht, sei aber abgewiesen worden.

Die Drohung der Piloten kommt nur Tage, nachdem die privaten Anleger unter Führung von Macquarie Bank eine Offerte über 11,5 Mrd. Australische Dollar für die Fluglinie auf den Tisch gelegt hatten. Das entspricht 5,60 Australischen Dollar pro Qantas-Papier. Zu den Anbietern gehört auch die amerikanische Texas Pacific Group. Da Macquarie Bank ein australisches Unternehmen ist, verflüchtigten sich ursprüngliche Befürchtungen, die legendäre Kängurulinie könnte in ausländische Hände fallen. Eine solche Situation wäre schon aus rechtlichen Gründen nicht zulässig.

Über das Wochenende wuchs von verschiedener Seite die Opposition gegen die Übernahmepläne. Nicht nur Gewerkschaften protestierten – sie fürchten die Auslagerung tausender Arbeitsplätze ins Ausland – sondern auch konservative Stimmen. Die sonst streng marktwirtschaftlich orientierte Tageszeitung „The Australian“ stellte die Frage, ob der Verkauf eines derart wichtigen Teils der Infrastruktur eines Landes an eine kleine Gruppe Anleger sinnvoll sei. Die zu Rupert Murdochs News Corporation gehörende Zeitung warnte vor der Gefahr, die von privatem Beteiligungskapital ausgehe, das die Airline mit hohen Schulden belasten werde. Eine Zinserhöhung könne dazu führen, „dass solche Gebilde zusammenbrechen“, so die Zeitung.

Der Chief Executive Officer von National Australia Bank, John Stewart, fürchtet, die Welle von Verkäufen wichtiger Unternehmen an Privatanleger könne „in Tränen enden“. Auch die australische Regierung hat sich zurückhalten geäußert. Schatzkanzler Peter Costello meinte, das Anlegerkonsortium könne nicht mit Steuergeldern rechnen, sollte es in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Costello wird bei der Übernahme das letzte Wort haben: Der Minister und eine ihn beratende Untersuchungskommission müssen entscheiden, ob der Verkauf der Fluglinie im Interesse der Nation ist.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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