Zeitarbeitsfirma
Gericht stoppt Börsenrückzug der Dis AG

Das Landgericht Düsseldorf hat dem Rückzug der Zeitarbeitsfirma Dis von der Börse vorerst einen Riegel vorgeschoben. Um Dis (Deutsche Industrie Service AG) tobt ein erbitterter Streit um Geld und Macht. Freie Aktionäre fühlen sich von Mehrheitseigner Adecco und dem eigenen Management ausgebotet.

HB BERLIN. Das Gericht stellte Dis eine einstweilige Verfügung zu, derzufolge das Unternehmen den Rückzug von der Börse nicht weiter betreiben darf. Dies teilte Dis am späten Montagabend mit. Zudem müsse das bereits begonnene Verfahren zur Aussetzung an der Frankfurter Börse gestoppt werden. Die Dis AG kündigte an, gegen den richterlichen Erlass vorzugehen.

Die Vorgehensweise der Dis AG und ihres Großaktionärs Adecco ist in Deutschland bislang ohne Beispiel. Anfang des Jahres überredete Adecco-Chef und -Großaktionär Klaus Jacobs den Unternehmer Dieter Paulmann, ihm dessen 29-Prozent-Paket am Wettbewerber Dis zu überlassen. Anschließend unterbreitete er den übrigen Dis-Aktionären ein öffentliches Angebot, das Adecco mit 82,6 Prozent zum beherrschenden Gesellschafter des Düsseldorfer Konkurrenten machte.

Den anfänglichen Widerstand von Dis-Vorstandschef Dieter Scheiff beseitigte Jacobs mit dem Versprechen, ihn nach der Übernahme zum Vorstandsvorsitzenden von Adecco zu ernennen. "Das hat das Blatt gewendet", zitiert das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz" den einstigen Kaffee- und Schokoladenkönig.

Bald schon warfen Aktionärsvertreter dem Dis-Vorstand deshalb vor, zugunsten der eigenen Karriere Treuepflichten des Unternehmens verletzt zu haben. Auf der Hauptversammlung gelang es dem bei Dis engagierten US-Hedge-Fonds Elliott, einen "besonderen Vertreter" berufen zu lassen, der Schadenersatzansprüche prüfen soll. Der Verdacht: Scheiff und sein ebenfalls zu Adecco wechselnder Finanzchef Dominik de Daniel könnten womöglich Betriebsgeheimnisse an den Wettbewerber verraten haben. Schließlich hat Adecco bislang seine Mehrheitsbeteiligung nicht per Beherrschungsvertrag unter das Konzerndach geholt. Die damit verbundenen Entschädigungszahlungen an die Dis-Aktionäre wollte sich Jacobs offenbar sparen.

Börsenrückzug soll freie Aktionäre zum Verkauf bewegen

Doch aus Sicht der ausstehenden Dis-Aktionäre soll es noch schlimmer kommen: Zwar reicht Adecco der 83-Prozent-Anteil nicht für ein Squeeze-out, wohl aber für ein Delisting. Weil damit die Aktien kaum noch frei handelbar wären, werden die Anteilseigner faktisch zum Verkauf gedrängt. Zusätzlich reduzierte Dis per HV-Beschluss die Dividende – trotz des erfolgreichen Geschäftsgangs – von 80 auf 5 Cent. Das Geld müsse für Akquisitionen reserviert werden, behauptet Scheiff. Die unfreundliche Dividendenpolitik soll aber wohl eher die Aktionäre zum Ausstieg nötigen.

Doch auch hier dürften viele von ihnen draufzahlen. 55,80 Euro bietet Adecco in bar für jede Aktie, 2,70 Euro weniger als nach seinem Einstieg – und fast 20 Euro weniger als der aktuelle Kurs.

Doch die Dis-Aktionäre geben nicht klein bei: Hedge-Fonds Elliott forderte Dis auf, die Hauptversammlung vom 8. Juni zu wiederholen. Andernfalls werde man selbst ein außerordentliches Aktionärstreffen einberufen. Die Wiederholung begründet Elliott mit einem Formfehler. So seien die HV-Beschlüsse erst in den frühen Morgenstunden des 9. Juni gefallen, obwohl die Versammlung nur für den 8. Juni terminiert war.

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