Zu groß für die kleine Schweiz
Eine Frage der Ehre für Swissair

Den Untergang ihrer Swissair haben die Schweizer nie verkraftet. Und jetzt droht ihnen auch noch die Lufthansa.

ZÜRICH/BASEL. Militärflughafen Dübendorf bei Zürich. Die zwei Kameramänner tragen Ohrenschützer, nicht wegen der Kälte, sondern wegen des Kreischens der Triebwerke jener beiden grauen F18 Hornets, die jetzt in ihren Unterstand rollen. Viermal wird die Szene, wie die beiden schneidigen Piloten den erhobenen Daumen durchs Glas der Kanzel präsentieren, wiederholt. Erst dann ist der junge Regisseur zufrieden.

„Grounding – die letzten Tage der Swissair“ heißt der Film, der hier gedreht wird. Die meisten Piloten der Schweizer Fluggesellschaft haben ihr Handwerk beim Militär gelernt, der Kampfjet F18 passt deshalb bestens ins Bild.

Der Streifen richtet sich an ein Volk, das die Pleite seiner einst so stolzen Staatsairline noch immer nicht verarbeitet hat. Die Schweiz ohne eigene Fluggesellschaft – schon allein der Gedanke lähmt das ganze Land.

Und so hat der Stoff über die spektakuläre Pleite der Swissair vor mehr als drei Jahren das Zeug zum Blockbuster. Ob es wenigstens die Nachfolgegesellschaft Swiss im Herbst, wenn der Film in die Schweizer Kinos kommt, noch gibt oder sie bis dahin vom deutschen Konkurrenten Lufthansa geschluckt wurde, interessiert Peter-Christian Fueter nicht. „Ich bin kein spekulativer Filmemacher“, stellt er nüchtern fest, nimmt seine Brille ab und lässt sie an einem Band um den Hals baumeln. „Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto häufiger bin ich auf Menschen gestoßen, die dieses Trauma erst noch verarbeiten müssen.“

Und das Leiden ist noch nicht zu Ende. Das wird spätestens heute deutlich, wenn die Swiss im viel zu groß geratenen Hauptquartier bei Basel ihr Jahresergebnis bekannt gibt. Schon jetzt ist klar, dass die Zahlen wieder so rot sein werden wie die Umrandung des Schweizer Kreuzes auf der Heckflosse der Swiss-Maschinen. Rund 90 Millionen Euro Verlust für das vergangene Jahr hat die Gesellschaft bereits veröffentlicht. Dennoch haben sich wieder mehr als 70 Journalisten und Analysten angemeldet, um zu hören, wie der deutsche Swiss-Chef Christoph Franz, der inzwischen viel von seinem bubenhaften Charme verloren hat, die Zahlen interpretiert. Und wie er sich womöglich erstmals öffentlich über die Verhandlungen mit der Lufthansa äußert.

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