Zweifel an Expansionsfähigkeit
Finanzmärkte verzeihen glücklosem Wal-Mart-Chef

Trotz des peinlichen Rückzugs von Wal-Mart aus Deutschland bleibt die Kritik an Konzernchef Lee Scott an den amerikanischen Finanzmärkten verhalten. „Sie haben sich wohl gedacht: genug ist genug“, sagte Stephen Hoch, Professor für Marketing an der University of Pennsylvania.

cs/tor NEW YORK/DÜSSELDORF. Es sei besser gewesen, bekundet er stellvertretend für viele Branchenkenner, den Fehler einzugestehen.

Selbst die Wall Street belohnte den bei seinem Deutschland-Engagement glücklosen Vorstandschef. Nach der Bekanntgabe des Verkaufs an die Düsseldorfer Metro Group am Wochenende schnellte die Aktie am Freitag zwei Prozent nach oben. Auch gestern ging es weiter bergauf. Der Imageverlust für den langjährigen Konzernlenker hielt sich damit in Grenzen.

Es hätte deutlich schlimmer kommen können: Als Wal-Mart 1997 mit einem Paukenschlag in Deutschland startete, liefen die Gerüchte heiß, die deutsche Metro werde wohl bald zu einem Übernahmekandidaten des weltgrößten Einzelhändlers. Dass nun ausgerechnet die Düsseldorfer Wal-Marts Deutschland-Abenteuer beenden, ist nun für Konzernchef Lee Scott doppelt bitter.

Die Furcht vor einem Gesichtsverlust hat die Amerikaner nach Überzeugung von Branchenexperten lange Zeit davon abgehalten, die Niederlage auf dem deutschen Markt einzugestehen. Statt dessen überwiesen sie seit Ende 1997 gigantische Summen an den kränkelnden Deutschland-Ableger. Wie aus dem zuletzt abgelieferten Geschäftsbericht des Jahres 2003 hervorgeht, rettete die Zentrale in Bentonville/Arkansas die Deutschlandtochter 2002 und 2003 durch eine Kapitalrücklage von 296 Mill. Euro vor der Insolvenz. 2004 griffen die Amerikaner noch einmal der verlustreichen Filialkette unter die Arme – mit 236 Mill. Euro. Schließlich hatte ein Betriebsverlust von 487 Mill. Euro im Jahr zuvor sämtliche Rücklagen aufgezehrt.

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