40-Stunden-Woche soll durchgedrückt werden
Siemens wagt die Machtprobe

Der Streit um die Rückkehr zu längeren Arbeitszeiten entwickelt sich zur Kraftprobe zwischen Industrie und Gewerkschaften. Der Siemens-Konzern kündigte am Donnerstag an, zwecks Kostensenkung könnten massiv Arbeitsplätze von Deutschland in Niedriglohnländer verlagert werden. Die Jobs seien nur zu retten, wenn die Betriebsräte die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und die Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld akzeptierten, forderte Siemens.

cbu/hz/mjh MÜNCHEN. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sprach von einer „Provokation“ und drohte mit einem bundesweiten Aktionstag gegen Siemens. Auch in anderen Betrieben ist der Streit um Arbeitszeitverlängerungen entbrannt.

Nach Angaben des Konzerns stehen in Deutschland 5 000 Stellen auf der Kippe, 2 500 davon seien durch Verlagerung ins Ausland, insbesondere nach Ungarn, bedroht. Die IG Metall hingegen hält sogar mehr als 10 000 Jobs für gefährdet, unter anderem bei dem Siemens-Autozulieferer VDO, bei Bosch Siemens Hausgeräte und der IT-Beratung SBS. Siemens beschäftigt derzeit noch 167 000 der weltweit 414 000 Mitarbeiter in Deutschland.

Von einer möglichen Verlagerung ins Ausland betroffen ist neben dem Netzwerkbereich und der Sparte Energieübertragung vor allem die Mobilfunksparte. In den nord- rhein-westfälischen ICM-Standorten Kamp-Lintfort und Bocholt stünden 2 000 Stellen vor der Verlagerung nach Ungarn, sagte ein Siemens-Sprecher. Dort lägen die Arbeitskosten etwa 30 % unter denen in Deutschland.

Bayerns IG-Metall-Chef Neugebauer zeigte sich zwar prinzipiell verhandlungsbereit, lehnte die Forderung nach dem Übergang von der 35- zur 40-Stunden-Woche und Lohnkürzungen aber strikt ab. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte Neugebauer. Die IG Metall fürchtet vor allem eine allmähliche Aufweichung der Flächentarifverträge. Nach dem geltenden Tarifvertrag können vom Vertrag abweichende Regelungen getroffen werden, wenn dadurch etwa die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gestärkt wird. Dem muss die IG Metall allerdings zustimmen. „Siemens ist kein krisengebeutelter Mittelständler, Siemens hat eine besondere soziale Verpflichtung für die Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland“, betonte Neugebauer. Inzwischen hat sich auch IG-Metall-Vize Bertold Huber in den Konflikt eingeschaltet. Für den Fall, dass Siemens wie angedroht aus dem Arbeitgeberverband ausscheiden wird, kündigte die IG Metall Streiks an.

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