Abfindungsprogramm ausgeweitet
Lage bei Ford spitzt sich zu

Sinkende Absatzzahlen und hohe Verluste in den USA zwingen den Autohersteller Ford zur erneuten Verschärfung seiner Sparpläne: Um den Personalabbau zu beschleunigen, will der Konzern nun allen gewerblichen US-Mitarbeitern Abfindungen anbieten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Bezug auf Ford-Insider. Bislang gilt das Abfindungsprogramm nur für bestimmte Werke.

je/hof PORTLAND/FRANKFURT. Wie dramatisch die Situation bei Ford ist, zeigte die Ankündigung von Konzernchef Bill Ford zum Wochenende. Er verkündete die schärfste Produktionskürzung beim zweitgrößten US-Autobauer seit den 80er Jahren. Der Konzern wird demnach seine US-Produktion im laufenden Quartal gegenüber dem Vorjahr um ein Zehntel und im vierten Quartal sogar um 21 Prozent oder 168 000 Autos drosseln. Das heißt, in mindestens zehn Werken in den USA und Kanada werden die Bänder zeitweilig abgeschaltet.

Die schlechten Nachrichten zeigen auch an der Börse Wirkung. Die Aktie von Ford verlor in den ersten Handelsstunden in New York zeitweise mehr als sechs Prozent. Seit Freitag ist der Börsenwert des Konzerns um mehr als eine Mrd. Dollar auf rund 13,7 Mrd. Dollar gefallen. Seit Bill Ford, der Ur-Enkel von Firmengründer Henry Ford, 2001 zum Konzernchef befördert wurde, hat sich der Aktienkurs halbiert.

Die Analysten von Crédit Suisse sehen aktuell „dramatische Folgen der Werksschließungen auf das Ergebnis“ und raten davon ab, in Ford zu investieren. Auch Robert Barry von Goldman Sachs äußerte Zweifel daran, dass Ford schnelle Erfolge vorzeigen wird. „Die Basis hat sich für das Unternehmen weiter verschlechtert. Personalabbau und Werksschließungen tragen schließlich nicht dazu bei, den Umsatzschwund bei Ford aufzuhalten.“

Mit dem Vorstoß, allen Arbeitern Abfindungsangebote zu unterbreiten, würde Ford seinem kriselnden Konkurrenten General Motors folgen. Bei GM haben rund 35 000 Mitarbeiter und damit fast jeder dritte US-Beschäftigte zugestimmt, den Konzern mit Abfindungen von bis zu 140 000 Dollar zu verlassen.

In den ersten sechs Monaten 2006 verbuchte Ford bereits Kosten für Personalabbau in Höhe von 2,36 Mrd. Dollar und wies insgesamt einen Nettoverlust von über 1,4 Mrd. Dollar aus. Ende 2005 waren bei Ford insgesamt 82 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer beschäftigt. Sie könnten von einem erweiterten Angebot Gebrauch machen. Nach den bisher bekannten Plänen wollte der Konzern bis 2012 in den USA 14 Betriebsstellen schließen und insgesamt bis zu 30 000 Stellen abbauen. Ford-US-Chef Mark Fields hatte bereits nach Bekanntgabe der Quartalszahlen eine Beschleunigung des Personalabbaus angekündigt.

Ford leidet wie die Konkurrenten GM und Chrysler auf seinem Heimatmarkt darunter, dass sich immer weniger Amerikaner für Sprit schluckende Geländewagen und Pickups entscheiden. Laut den Analysten von der Marktforschungsfirma Global Insight kommen überdies die neuesten Modelle von Ford am Markt bedeutend schlechter an als erwartet. Im Juli wurde Ford beim Absatz auf dem Heimatmarkt erstmals vom japanischen Hersteller Toyota überholt, der zuvor bereits Chrysler überrundet hatte.

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