Abgas-Vorwürfe gegen Renault
Ingenieure kannten die Abweichungen ganz genau

Der Autobauer Renault schließt Rückrufe nicht aus und geht davon aus, dass die Verbesserung seiner Dieseltechnologie Milliarden kostet. Aber der Konzern wartet auch mit positiven Nachrichten auf.

ParisRenault war bewusst, dass seine Dieselautos in Wirklichkeit wesentlich mehr Schadstoffe ausstoßen als unter Testbedingungen. Das bestätigte Absatzchef Thierry Koskas heute am Unternehmenssitz in Boulogne-Billancourt: „Wir waren nicht überrascht.“ Eine unabhängige Kommission hatte vergangene Woche festgestellt, dass Renault-Fahrzeuge viel mehr Stickoxide und Kohlendioxid emittieren als der Hersteller offiziell angibt. Mitgliedern der Kommission zufolge geht es um 500 Prozent mehr.

„Unsere Ingenieure kennen die Merkmale unserer Motoren genau“, sagte Koskas, deshalb sei man auf dem Laufenden gewesen. „Das Entscheidende ist aber, dass wir nicht betrogen haben“, verteidigte er sein Unternehmen. Er befürchte nicht, dass das Image beinträchtig werde.

Koskas präzisierte nicht, welche Änderungen der Hersteller nun vornehmen will. „In den kommenden Wochen legen wir einen detaillierten Plan vor.“ Der Absatzchef ließ offen, ob der nur neue Fahrzeuge betreffen wird oder auch bereits ausgelieferte. Er schloss nicht aus, dass es einen Rückruf geben könne. Mit Mercedes, dessen A-, B- und C-Klasse mit Dieselmotoren von Renault fährt, werde es technische Diskussionen geben. „Jeder Hersteller kalibriert seine Fahrzeuge nach eigenen Maßstäben“, fügte der Absatzchef hinzu.

Obwohl auf den Hersteller durch die Verbesserung seiner Diesel-Technik Milliardenkosten zukommen, will er die Preise nicht erhöhen. „Es wird keine Effekte für die Verbraucher geben“, sagte Koskas. Renault will also eher seine Marge verringern.

Renault weigert sich nach wie vor, die genauen Testergebnisse zu veröffentlichen. „Wir sind noch mitten in den Tests, es steht uns nicht an, etwas zu veröffentlichen, wir warten ab, bis die Arbeit abgeschlossen ist.“ sagte Koskas. Das Schweigen von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn, der sich bislang überhaupt nicht geäußert hat, verteidigte der Absatzchef: „Ghosn wird reden, wenn er entscheidet, dass der richtige Moment gekommen ist, heute ist das nicht dringend.“ Die Renault-Aktie hatte vergangene Woche über 13 Prozent verloren und lag Montagvormittag weitere 2,7 Prozent im Minus.

Doch es gibt auch positive Nachrichten aus dem Konzern. Der französische Hersteller hat im vergangenen Jahr weltweit 2,8 Mio Autos verkauft, das ist ein absoluter Rekord für Renault. Die Marke wurde auch in Europa gestärkt, der Marktanteil stieg auf 7.8 Prozent. In Deutschland stiegen die Verkäufe um fünf Prozent, das stärkste Wachstum gab es in Spanien, wo Renault 23 Prozent mehr absetzen konnte als ein Jahr zuvor.

Für 2016 hofft Renault sogar „auf eine Beschleunigung des Zuwachses“, wie Koskas sagte. Auch im Iran will die Marke mit dem Rhombus mehr losschlagen. Der Markt dort umfasst heute eine Million Autos, „doch perspektivisch kann das auf zwei Millionen steigen“, erwartet Koskas.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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