Aktion des Zolls auf Messe
Kampf den Produktpiraten

Die Aktion war wohlvorbereitet und kam doch überraschend. Ein Dutzend Zollbeamten kontrollierten am Mittwoch auf der Frankfurter Fachmesse ISH 215 Stände von Ausstellern vor allem aus Asien. Sie suchten auf der weltweit größten Fachmesse für Sanitär- und Heizungstechnik nach Plagiaten – und wurden reichlich fündig.

DÜSSELDORF. Auf der Frankfurter Fachmesse ISH haben Zollbeamten bei 27 Ausstellern aus China, Hongkong und Taiwan kopierte Sanitärarmaturen, Brauseköpfe und Eckventile sowie knapp 100 abgekupferte Zubehörteile gefunden. „Das hat uns nicht überrascht, denn seit Jahren sind die Aussteller von Produktpiraterie betroffen“, sagt Boris Abadjieff vom Branchenverband VDMA. „Die Firmen erwarteten bereits Plagiate.“

Bisher mussten die Aussteller sich individuell um den Schutz ihrer Produkte kümmern und in oft mühseligen juristischen Aktionen erreichen, dass die Fälscher ihre Plagiate entfernen oder die Stände schließen. Diesmal gab es eine konzertierte Aktion. Bereits im Vorfeld durchsuchte der Zoll 13 Container und beschlagnahmte 16 Fälschungen. Auf der Messe unternahm der Zoll erstmals einen Rundgang, um Fälschungen aufzuspüren.

Auf Messen finden sich immer wieder Plagiate, besonders bei Konsumgüterschauen wie der Ambiente in Frankfurt, aber auch auf Industriemessen wie der Hannover Messe. „Die Plagiate werden immer mehr, die Schäden immer größer“, sagt Christian Steinberger, Leiter der Rechtsabteilung beim VDMA.

Aus der Industrie kommt der leise Vorwurf, die Messen täten zu wenig, um Produktpiraterie zu verhindern. Sie sitzen zwischen zwei Stühlen, schließlich sind auch die Fälscher Aussteller, und keine Messe möchte Teilnehmer verlieren. Steinberger fordert, dass die Messegesellschaften die Aussteller besser informieren, juristische Hilfestellungen anbieten und ihre Ausstellungsbedingungen verschärfen, so dass ertappte Fälscher nicht mehr ausstellen dürfen. Bisher ist ein Ausschluss von der nächsten Messe eher die Ausnahme. Die Strafen können zwar bei Patentverletzung bis ins Strafrecht gehen, enden in der Realität aber oft bei der Beschlagnahme der Fälschungen. „Die Messegesellschaften setzen unsere Forderungen unterschiedlich um“, sagt Steinberger.

Am besten im Urteil der Industrie schneidet die Frankfurter Messegesellschaft ab. Frankfurt hat einen möglichen Ausschluss der ertappten Produktpiraten bereits in den Standmietverträgen vorgesehen. Im Januar 2006 gründeten die Frankfurter die Kampagne „Messe Frankfurt against Copying“, die einerseits Aufklärung für die Aussteller bieten, andererseits den Fälschern eine eindeutige Warnung sein soll. Im ersten Jahr zählte das Expertenteam nach Angaben der Messe 4 800 Anfragen und 900 Beratungen. Die Kampagne wurde inzwischen international auf Messen in Schanghai und Buenos Aires ausgedehnt.

Doch Plagiate sind immer schwieriger zu erkennen. Nur selten ist es so einfach wie bei einem verkehrt dargestellten Lacoste-Krokodil. Besonders bei Investitionsgütern erkennen auch Experten die Fälschungen manchmal erst im Labor an minderwertigen Werkstoffen. Deshalb verstärkt die Industrie ihre eigenen Anstrengungen. So beschäftigt der Wälzlager-Hersteller Schaeffler eine eigene Piratenjägerin, die Verletzungen von Markenrechten überprüft und auch den Einsatz von Detektiven auf Messen organisiert.

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