Aktionäre und Analysten kritisieren die japanischen Manager
Mitsubishi Motors sucht nach einer neuen Strategie

Mitsubishi Motors (MMC) sucht nach dem Ausstieg von Daimler-Chrysler nach einer neuen Strategie. Der bisher von Chairman und CEO Yoichiro Okazaki verkündete Produktplan, nach der das Unternehmen auf Minivans und Sportautos setzen will, ist schon wieder überholt.

bas TOKIO. Yasushi Ando, Chef des neuen Mehrheitsaktionärs Phoenix Capital, sagte gestern auf der MMC-Hauptversammlung, man müsse diesen Punkt im neu eingerichteten Sanierungskomitee diskutieren.

Analysten hatten die neue Fokussierung kritisiert, weil sie beispielsweise die Alterung der Gesellschaft und den Bedarf an umweltfreundlicheren Autos ignoriere. MMC muss sich gesundschrumpfen und will deshalb 2010 nur noch sechs statt bisher 15 unterschiedliche Plattformen produzieren. Ando kritisierte außerdem, dass dem Unternehmen eine klare Management-Philosophie fehlt. Ando sitzt dem für ein Jahr eingesetzten Komitee vor, das den Sanierungsplan konkretisieren soll.

Der von der Hauptversammlung bestätigte neue Vorstand beschloss gestern, den Spielraum für die laufende Kapitalerhöhung noch einmal um knapp 14 Prozent auf maximal 546 Mrd. Yen (4,14 Mrd. Euro) anzuheben. Dafür müssten die japanische Investmentfirma Phoenix Capital und die US-Investmentbank JP Morgan jeweils die Höchstgrenze des möglichen Betrags investieren. Bei Phoenix wären dies 100 Mrd. Yen, bei JP Morgan 150 Mrd. Yen. Der Rest der Kapitalspritze, er kommt vorwiegend von Firmen der Mitsubishi-Gruppe, ist bereits bei MMC eingegangen. MMC verwendet das Geld zum Schuldenabbau und zur Finanzierung der Umstrukturierung. Unter anderem streicht das Unternehmen jede fünfte Stelle. Analysten zufolge ist MMC mit dem Geld bis zum Geschäftsjahr 2006/07 vor einer Insolvenz sicher. Für die Zukunft danach bleiben sie skeptisch. Ando betonte jedoch, MMC könnte über die Kostensenkungen selbst bei gleichbleibenden Umsätzen operativ Gewinn machen.

Die Aktionäre sind unzufrieden, denn das Image des Konzerns liegt am Boden: Ehemalige MMC-Manager sind verhaftet worden, Autos werden in die Werkstätten zurückgerufen. „Sie haben eine unsoziale Tat begangen. Normalerweise würden sie von der Gesellschaft entfernt“, empörte sich ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung angesichts vertuschter Qualitätsmängel. Auch in Deutschland müssen rund 5 000 Fahrzeuge zurückgerufen werden.

Die Verkäufe sinken rapide. In Japan betrug der Rückgang im Mai und im Juni jeweils 39 Prozent. Bei so viel Misere war das „Nein“ von Daimler-Chrysler zur Kapitalerhöhung vor einigen Monaten schon gar kein Thema mehr unter den Aktionären auf der Hauptversammlung.

Nur die Strategie, vor allem in China zu expandieren, bleibt unbestritten. Hierfür werde der taiwanesische Autobauer China Motor Company als „signifikanter Partner“ angesehen, sagte der neu eingesetzte Präsident und COO Hideyasu Tagaya. Der Absatz in Nordasien ohne Japan soll innerhalb von drei Jahren um ein Fünftel zulegen.

In drei Jahren will MMC wieder Gewinne machen, für das laufende Geschäftjahr erwartet das Unternehmen hingegen knapp 1,8 Mrd. Euro Nettoverlust. Die Aktie ist in den vergangenen Monaten stark gefallen. Gestern stieg sie wegen der möglicherweise höheren Kapitalerhöhung um 11 auf 182 Yen.

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