Aktionäre wollen, dass Browne für seine Fehler haftet
Schwarzer Freitag für Lord Browne

Die öffentlichen Demütigen für Lord Browne nehmen kein Ende. Erst musste der langjährige BP-Chef seinen vorzeitigen Rücktritt ankündigen, jetzt wollen ihm wütende Anleger auch noch nachträglich die Bezüge streichen. Es geht um 143,5 Millionen Dollar.

Der Vorstandsvorsitzende von BP, Lord Browne, könnte die letzten Monate seiner Amtszeit im Kreuzverhör zwischen Anwälten und Investoren verbringen. Am Freitag hob ein Berufungsgericht in Texas eine frühere Entscheidung auf und ordnete an, dass Browne den Opfern der BP-Raffinerie in Texas City Rede und Antwort stehen muss. Im März 2005 starben durch eine Explosion 15 Menschen, 170 wurden verletzt.

Ebenfalls am vergangenen Freitag reichten aufgebrachte Investoren in Alaska ein Klage ein. Die Anleger sind der Meinung, Browne habe sich seine millionenschweren Boni zwischen 2000 und 2005 nicht erarbeitet, sondern erschwindelt. Der Streitwert beträgt mindestens 143,5 Mill. Dollar. „Browne hinterlässt BP in einem miserablen Zustand“, sagte der Anleger-Anwalt William Lerach dem Handelsblatt. „Er hat nicht das Recht, sich mit einer Schubkarre voller Geld davonzumachen.“ Für Browne, der in den vergangenen Jahren mehrfach zum angesehensten Manager Großbritanniens gewählt wurde, geht damit seine öffentliche Demontage weiter. Mit Zukäufen in Höhe von mehr als 80 Mrd. Dollar etablierte er seinen Konzern seit 1995 in der Spitze der größten Konzerne der Welt. Zudem gelang es Browne, BP durch Investitionen in regenerative Energien als „grünsten“ aller Energiekonzerne darzustellen. Noch im vergangenen Sommer sah es so aus, als ob der Konzern seine Altersgrenze von 60 Jahren für Vorstände aufheben würde und Browne eine weitere Amtszeit antreten könnte.

Statt dessen hat Browne vor einem Monat mitgeteilt, er werde BP im Juli 2007 verlassen - ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages. Die Ankündigung erfolgte wenige Tage vor Veröffentlichung des Baker-Berichts. Die Kanzlei des ehemaligen US-Außenministers stellte fest, dass Managementfehler für eine schwere Explosion in der BP-Raffinerie in Texas City verantwortlich waren. „Ich habe verstanden, und BP hat auch verstanden“, sagte Browne als Reaktion auf den Bericht. „Dies geschah unter meiner Aufsicht. Und als Vorstandsvorsitzender habe ich die Verantwortung, aus den Ereignissen zu lernen.“ Mehreren Opfern und Investoren ist dies aber nicht genug. Brent Coon, der Dutzende von Hinterbliebenen und Verletzten vertritt, hat in den vergangenen Monaten vergeblich versucht, Lord Browne zu vernehmen. BP konnte dies bisher mit juristischen Mitteln verhindern. Am Freitag aber ordnete ein Berufungsgericht in Texas an, Browne müsse doch aussagen. „Viele Entscheidungen, die zu der Tragödie von Texas City führten, wurden von Lord Browne persönlich getroffen“, sagt Coon. „Es wird für alle Beteiligten sehr aufschlussreich sein, seine Begründung zu hören.“ Ein Sprecher von BP sagte, man prüfe nun die rechtlichen Optionen.

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