Alexej Mordaschow
Der gute Oligarch

Der russische Stahlbaron Alexej Mordaschow will sein Unternehmen Severstal mit Arcelor, der Nummer zwei am Weltmarkt, fusionieren. Wer ist der Mann, den das Volk einen „guten“ Oligarchen nennt? Und das nicht ohne Grund.

HB/mbr. Alexej Mordaschow ist ein Musterschüler: Abschluss mit lauter Einsern, Lenin-Stipendiat an der Hochschule, Komsomol-Aktivist, einer, der sich selbst im Nachhinein "einen korrekten Jungen" nennt. Der Vorzeigeunternehmer konzentriert sich ganz aufs Geschäft, brüskiert weder die Kremlführung, noch das verarmte Volk, indem er seinen Reichtum zur Schau stellt – im Gegensatz zu vielen seiner Milliardärskollegen. Zu tief sitzt dafür die Erinnerung an die Kindheit im russischen Norden: "400 Gramm Wurst und 200 Gramm Butter pro Kopf und Monat – das war die ganze Freude. Meine erste Jeans bekam ich in der 9. Klasse und habe sie sehr lange geschont." Der heute in dunkelblauen Nadelstreifen Gehüllte sagt das weder mit Sozialromantik noch mit Arroganz.

Mordaschow demonstriert soziale Wärme. Statt im russischen Industriemoloch Tscherepowez, der Keimstätte Severstals, alle Sozialobjekte des örtlichen Kombinats zu verkaufen, finanziert er Kulturpaläste und Werkswohnungen, ganz wie einst das Kombinat. Das alles lässt das Putin-Russland gnädig darüber hinwegsehen, dass Mordaschow mit einem geschätzten Privatvermögen von mittlerweile 7,6 Milliarden Dollar nach der jüngsten Milliardärserhebung der Zeitschrift "Forbes" auf Platz 64 der Superreichen landet.

Das Einzelkind eines Elektrikers und einer Angestellten des Tscherepowezer Stahlkombinats kam mit 23 Jahren in die Spur der Eltern – er ging ebenfalls ins "Werk", wie der Schmelz- und Walzriese in der Stadt einfach genannt wird. Allerdings führte der Weg des jungen Alexej nicht an die Hochöfen, sondern in die Finanzabteilung. Dort mussten damals Lieferanten noch persönlich mit einer Schachtel Pralinen bei zwei alternden Buchhalterinnen gut Wetter machen. Mordaschow änderte das schnell. Mit 31 bereits ist er Generaldirektor und hält rund 80 Prozent der Aktien der Severstal-Gruppe. Zu ihr gehörten zu der Zeit außer dem Stahlwerk, einer Kohlegrube am Polarkreis und einem Erzaufbereiter auch der Geländewagen-Bauer UAZ, ein Motorenwerk und ein Maschinenbauer. Heute ist Mordaschow 40 und besitzt neben dem größten Stahlkocher Russlands auch Beteiligungen im Ausland: beim italienischen Stahlunternehmen Lucchini und in den USA, wo er den bankrotten US-Stahlkonzern Rouge Industries übernommen hatte.

Statt sich wie andere aus der Zeit des Wild-Ost-Kapitalismus die Firma zur Beute zu machen, heuerte Mordaschow westliche Unternehmensberater an, die beim Umbau des Stahlwerks halfen. Einige wechselten ins Severstal-Management. Analysten sind deshalb voll des Lobes, besonders über dei zügige Modernisierung der maroden Anlagen.

Mordaschow ist trotz seiner erst 40 Jahre und der Herkunft aus der Provinz eine Größe in Russlands Geschäftswelt. Dabei kam ihm zugute, dass er – wie Putin – Deutsch spricht.

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