Alstom kämpft um frisches Geld und staatliche Unterstützung
EU warnt vor unerlaubten Alstom-Hilfen

Die EU-Kommission warnt Frankreich davor, den insolvenzbedrohten Konzern Alstom S.A. mit versteckten Subventionen zu unterstützen. Brüssel werde im Zusammenhang mit der Rettung des angeschlagenen Unternehmens „alle Aspekte“ prüfen, stellte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti klar.

PARIS/BRÜSSEL. Monti fürchtet unter anderem, die Pariser Regierung könne Staatsfirmen zur Rettung des Kraftwerk- und Transportsystembauers einspannen.

Unterdessen verhandelt Alstoms Vorstandschef Patrick Kron mit den rund 40 Gläubigerbanken über Details des Rettungsplans, der ab September umgesetzt werden soll. Dessen Grundzüge sehen Engagements der Gläubigerbanken von mehreren Mrd. Euro vor. Der Staat beteiligt sich an der Kapitalerhöhung, gibt Kredite und Garantien.

Große Hoffnungen setzt Alstom daneben auf Verhandlungen mit der mehrheitlich staatlichen Nuklearholding Areva über eine Übernahme des Geschäftsfeldes Energieübertragung. Kron hatte gestern erklärt, er hoffe, durch den Verkauf der profitablen Sparte mindestens 1 Mrd. Euro zu erlösen. Doch macht der sich anbahnende Deal Monti misstrauisch. „Wir werden uns sehr genau anschauen, ob der Verkaufspreis Beihilfeelemente enthält“, sagte Montis Sprecher gestern dem Handelsblatt. Die EU-Kommission habe bereits in Paris um Auskunft nachgesucht.

Verdacht erregt in Brüssel auch die Ankündigung der staatlichen Gaz de France, bei der französischen Werft und Alstom-Tochter Chantiers Atlantiques mehrere Methantanker bestellen zu wollen. Ein von Gaz de France bereits in Auftrag gegebener neuer Flüssiggasastanker hatte in Branchenkreisen Aufsehen erregt: Der Preis für das Schiff liegt 50 % über Weltmarktniveau, eine „ungewöhnlich hohe Marge“, wie ein Brüsseler Brancheninsider sagt.

Ebenso kritisch verfolgt die EU-Kommission, wie die französischen Gebietskörperschaften künftig mit Alstom Geschäfte abwickeln werden. Frankreichs Industrieministerin Nicole Fontaine hatte kürzlich die Kommunen aufgefordert, bei Alstom neue Nahverkehrsmittel zu ordern. „Bei diesen Aufträgen müssen die Preise marktgerecht sein“, sagte der Monti-Sprecher.

Vor diesem Hintergrund haben Alstom-Boss Patrick Kron und Finanzchef Philippe Jaffré gestern den mit den Banken und dem Staat ausgehandelten Rettungsplan vorgestellt. Er sieht eine Kapitalerhöhung Ende September um 600 Mill. Euro vor, an der sich der Staat mit 300 Mill. Euro beteiligen wird. Maximal wird der Staat dann bis zur abgeschlossenen Sanierung 31,5 % an Alstom halten. „Das können ein, zwei oder drei Jahre sein, dass muss der Staat selber entscheiden“, sagte Jaffré.

Gleichzeitig wird Alstom bis zu 1 Mrd. Euro durch in Aktien rückzahlbare Wandelanleihen aufbringen, die von den Gläubigerbanken gezeichnet werden sollen. Dazu kommt eine neue nachrangige Kreditlinie von 1,3 Mrd. Euro auf sechs Jahre, an der sich der Staat mit 200 Mill. Euro beteiligen könnte.

Eine Überbrückungsfinanzierung der Gläubiger und der staatlichen Förderbank Caisses des Dépôts et Consignations versorgt Alstom sofort mit 600 Mill. Euro Liquidität – ein Vorschuss auf den Areva-Deal. Schließlich sagen die Banken Alstom 3,5 Mrd. Euro Kreditlinien zu, die der Staat zu insgesamt zwei Drittel garantieren will.

Alstom-Chef Kron hat bei dem Rettungsplan keine Bedenken. „Ich bin sicher, dass die Entscheidung des Staates mit dem Europarecht konform ist“, sagte er der Zeitung „Le Monde“. Monti hat angekündigt, zu der Rettungsaktion ein Beihilfeprüfverfahren einzuleiten. Dabei sollen Wettbewerber wie Siemens, Bombardier und ABB angehört werden. Brüsseler Wettbewerbskreise erwarten, dass Alstom als Gegenleistung für die Staatshilfe in erheblichem Maß Geschäft an Konkurrenten abtreten muss.

Dies, aber auch die Unsicherheiten über die langfristigen Verpflichtungen des Konzerns, lassen Pariser Analysten an der Rettung zweifeln. „Die Alstom-Gruppe ist noch lange nicht aus dem Schlamassel heraus“, hieß es beim Broker Aurel Leven. Die Aktie des Konzerns, die seit Montag vom Handel ausgesetzt war, gab gestern 6 % nach.

Quelle: Handelsblatt

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