Alternative Pannenhilfe
Ein Leben ohne ADAC

Nach dem Manipulationsskandal drohen selbst langjährige Mitglieder dem ADAC mit Kündigung. Doch wie sähe das Land ohne den größten deutschen Autoclub aus? Die Alternativen für Autofahrer.
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DüsseldorfDie Wut gegen die Gelben Engel entlädt sich im Netz: Auf der Facebook-Seite drohen langjährige ADAC-Mitglieder mit ihrer Kündigung seit bekannt wurde, dass die Abstimmung zum „Lieblingsauto der Deutschen“ manipuliert wurde. Andere verteidigen den größten deutschen Automobilclub: Die Gelben Engel auf der Straße hätten schließlich nichts mit dem Abstimmungsbetrug zu tun. Doch wer nur eine Pannenhilfe braucht, muss kein ADAC-Mitglied sein.

Viele kleinere Automobilclubs versprechen einen ähnlichen Service zu günstigeren Preisen. Welcher Club der richtige ist, hängt vor allem davon ab, welche Leistung man erwartet. Was die eigene Flotte betrifft, kann allerdings keiner der Konkurrenten mit dem ADAC mithalten. Immerhin sind 1700 Pannenhelfer als Gelbe Engel im Einsatz, zusätzlich können die Münchener auf 5000 Pannenhelfer von 1100 Partnern zurückgreifen. Allerdings kann es durchaus auch vorkommen, dass ADAC-Partner für die konkurrierenden Automobilclubs fahren. „Ganz auszuschließen ist das nicht“, sagt eine Sprecherin des Automobil Club Europa (ACE) zu Handelsblatt Online.

Der ACE setzte sich nach dem ADAC-Skandal zuletzt besonders offensiv in Szene, warf den Gelben Engeln sogar „aufgeblasene Selbstinszenierung“ vor. Mit 580.000 Mitgliedern sind die Stuttgarter der drittgrößte Autoclub in Deutschland. Die Mitgliedsbeiträge fallen mit 62,80 Euro geringer aus als beim ADAC. Familienmitglieder sind automatisch mitversichert. Beim ADAC wäre dafür eine Plus-Mitgliedschaft notwendig (Kostenpunkt: 109 Euro im Jahr). Bei einigen Leistungen geht der ACE sogar weiter als der große Konkurrent: Glasbruch und Marderbisse am Auto sind beim kleineren Autoclubs inklusive. Beim ACE ist die Pannenhilfe unbegrenzt kostenlos, wenn die Panne über die hauseigene Hotline gemeldet wurde.

Der größte direkte Konkurrent des ADAC ist der Automobilclub von Deutschland (AvD). Mit 1,4 Millionen Mitgliedern sind die Frankfurter allerdings immer noch bedeutend kleiner. Für den Verein ist das aber ein Vorteil: „Wir möchten, dass unsere Mitglieder mehr sind als eine Nummer“, sagt eine Sprecherin. Die Zahl der Online-Anträge sei um ein Drittel höher als normalerweise. Die Mitgliedschaft gibt es ab 65 Euro, der Partner kann für 87 Euro mitversichert werden. Um sich abzugrenzen, setzen viele Anbieter auch auf zusätzliche Services. So übernimmt der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) auch Schäden bis zu 300 Euro, die nicht von der Vollkaskoversicherung abgedeckt sind. Jedes Mitglied hat einen persönlichen Ansprechpartner. Versichert sind alle Fahrzeuge, die auf das Mitglied zugelassen sind – ob Wohnmobil, Motorrad oder Moped. Auch etliche andere Services sind inklusive.

„Mobil in Deutschland“ ist nicht nur Deutschlands jüngster Autoclub, sondern auch ein Preisbrecher in der Branche. Die Basismitgliedschaft kostet gerade einmal 24 Euro. „Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche“, sagt Präsident Michael Haberland. Der Verein bietet keine Versicherungen an, das Magazin erscheint nur vierteljährlich und auch etliche Serviceleistungen, die beim ADAC inklusive sind, gibt es beim kleinen Autoclub nicht. Nach dem ADAC-Skandal steigen die Mitgliedszahlen stetig, bestätigt Haberland. „Das Telefon steht nicht mehr still.“ Wie einige andere Automobilclubs setzt „Mobil in Deutschland“ auf die 1.700 Fahrzeuge der „Silbernen Flotte“, ein System von Pannenhelfern, die seit 2001 im Auftrag deutscher Versicherer unterwegs sind.

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  • ich bin seit ü/ 40 Jahren im ADAC (gewesen) und habe jetzt gekündigt, nachdem der Vors. vom ADAC-Württemberg großspurig äußerte, es würden nur wenige kündigen, ja sie hätten sogar viele Neuzugänge!!! DAS hat mich vollends auf die Palme gebracht! Martin K.
    Martin K.

  • Fortsetzung:
    Die vom ADAC bei der VSHT installierte Software arbeitet eindeutig ADAC-Affin.
    Beispiele:
    zu einem 20km langen Autobahnabschnitt hat der Abschleppdienst A(DAC) eine um 1 km weitere Anfahrt wie Abschleppdienst B (AP) Auf diesem Autobahnabschnitt wirft das Programm auf 2 kurzen Teilen von insgesamt 4 km B als nächsten Abschleppdienst aus, A wird auf den restlichen 16 Teilkilometern als nächstliegend angezeigt.
    Auf einem weiteren Teilstück von 4 km Länge ist B um 2 km näher, hier werden aber wechselnd A und B als gleich weit ausgewählt.
    Auf den nächsten Teilstück von 15 km Länge ist A um 3 km näher, hier wird B überhaupt nicht mehr in die Auswahl genommen.
    Ziel ist wohl eindeutig, dass die ADAC Abschlepper verstärkt Aufträge bekommen die diese zum "Hauspreis" abrechnen zu können um somit die niedrigen Vergütungen des ADAC zu kompensieren und dass Nicht-ADAC-Mitglieder in den Einflussbereich des ADAC gelangen und somit geworben werden können.
    Hier entstehen der Versicherungswirtschaft und den betroffenen Autofahrern immense finanzielle Schäden. Weiter kommt es zu kuriosen Situationen indem A mit einem oder zwei Fahrzeugen 4 oder noch mehr Unfallfahrzeuge abtransportiert, somit eine unnötig lange Verkehrsbehinderung oder sogar Gefährdung entstehen während B mit seinen Fahrzeugen "daneben steht" und Däumchen drehen muss. Hier sind schon (nachweislich) überlange Staus entstanden die weitere Unfälle provoziert haben, sogar mit tödlichem Ausgang

  • Vor Jahren wurden in vielen Bundenländern Servicentralen gegründet über die die Polizei Abschleppaufträge an die örtlichen Abschleppunternehmer vermittelt. Dies geschah um zu verhindern, dass einzelne Polizisten einen bestimmten Abschleppdienst bevorzugen. Diese Servicezentralen sollten allerdings neutral vermitteln. Kriterien sind: Kundenwunsch-nächst gelegener Abschleppunternehmer - Reihum-Verfahren wenn mehrere Abschleppunternehmer in Frage kommen.
    Hier in Hessen erhielt die Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit Hessen–Thüringen e.V. (VSHT) den Zuschlag. Neben den kleineren Automobilclubs, dem VBA und einigen anderen Organisationen hat hier natürlich auch wieder der ADAC die Finger im Spiel. So wurde die Software die den entsprechend zu benachrichtigen Abschleppdienst auswählt vom ADAC bereitgestellt. Dass diese Vermittlungsstelle nicht neutral arbeitet zeigt sich an ettlichen Gegebenheiten. So können die meisten Mitglieder eines Automobilclubs den Wunsch nach einem Abschleppdienst der ihrem Club angehört äussern und es wird der entsprechende Abschleppdienst benachrichtigt. Inhaber eines Versicherungsschutzbriefes bleibt dies aber verwehrt. Ein Wunsch "HUK, R+V, Roland, Allianz" usw bleibt immer unberücksichtigt und wird dort als "freier Fall" bearbeitet wobei dann häufig ein Abschleppdienst des ADAC anrollt. Da die Satzung des VSHT vorsieht, dass nur eingetragene Vereine als "Ziel" einer Wunschbestellung möglich sind (ansich schon ein Unding) wurde von den Abschleppdiensten der "Silbernen Flotte" 2006 der Assitance Partner Verein e.V. gegründet um eine Wunschvermittlung der Partner-Versicherungen zu ermöglichen. Dies wird aber bis heute vom VSHT unter Federführung des ADAC verhindert.

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