Am Dienstag finden ein europaweiter Aktionstag statt
Wilder Streik bei Opel geht weiter

Der Streit bei Opel schraubt sich immer höher: Die Arbeiter des Bochumer Opel-Werks haben ihren wilden Streik entgegen Appellen von Management und Politikern auch am fünften Tag fortgesetzt. Wegen fehlender Zulieferteile aus Bochum drohte im belgischen Opel-Standort Antwerpen für den Abend ein Produktions-Engpass.

HB BOCHUM. Sprecher der Belegschaft forderten am Montag erneut als Bedingung für eine Wiederaufnahme der Produktion ein Gespräch mit der Werksleitung und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Wegen fehlender Zulieferteile aus Bochum drohte im belgischen Opel-Standort Antwerpen für den Abend ein Produktions- Engpass. Am Dienstag werden im Rahmen des europaweiten Aktionstags gegen die Pläne des Mutterkonzerns General Motors zum drastischen Stellenabbau 10 000 Menschen zu einer Protestkundgebung in Bochum erwartet.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde am Montag im Presswerk und bei der Teilefertigung in geringem Umfang gearbeitet. Die Komponenten für europäische Werke Produkte konnten jedoch nicht ausgeliefert werden, weil die Werkstore von Streikposten blockiert wurden. Die Opel-Fabrik in Antwerpen bekommt aus Bochum unter anderem Fahrwerksteile zugeliefert. Die Früh- und die Spätschicht könnten noch normal arbeiten, sagte Werksprecher Marco Van Riel am Montag. Für die Nachtschicht würden der Nachschub jedoch knapp.

Die Werksleitung in Bochum zeigte sich auch am Montag nicht zu einem Gespräch mit der Belegschaft bereit, appellierte jedoch an die Beschäftigten, die Produktion wieder anzufahren. „Die Wiederaufnahme der Arbeit wird dem Standort Bochum nutzen!“, heißt es in einem Flugblatt, das vom Werksschutz verteilt wurde. Arbeitswillige sollten sich bei ihren Vorgesetzten melden und bei Konflikten den Werksschutz informieren.

Unterdessen begannen am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim die Verhandlungen zwischen dem Management und dem Betriebsrat über den Sanierungsplan. Dazu erklärte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), er erwarte nun ein Signal des Vorstandes. Dann könne die Arbeit bald wieder aufgenommen werden. Die Arbeitsniederlegung halte er allerdings für falsch, sagte Clement vor einer SPD- Präsidiumssitzung in Berlin.

Wolfgang Nettelstroth, Sprecher der IG Metall NRW, forderte das Opel-Management auf, „endlich ernsthafte Verhandlungen über eine Beschäftigungssicherung“ aufzunehmen. Bei den seit Donnerstag anhaltenden Protestaktionen handele es sich aus Sicht der Gewerkschaft nicht um wilde Streiks, sondern um eine „Kette von Informationsveranstaltungen“. „Die Beschäftigten machen nur von ihrem im Betriebsverfassungsgesetz verankerten Informationsrecht gebrauch“, sagte Nettelstroth.

Mit einem Demonstrationszug in die Innenstadt wollen die Arbeiter des Bochumer Opel-Werks am Dienstag gegen die Sparpläne protestieren. Zu einer Kundgebung würden mehr als 10 000 Teilnehmer erwartet, sagte eine Sprecherin der IG Metall Bochum am Montag. Bei der Protest- Veranstaltung am Schauspielhaus sollen Gewerkschafter, Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, sprechen.

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