Amerikanische und deutsche Einkaufsmanager drängen ins Reich der Mitte
Textilien aus China erobern trotz Handelsstreits den Weltmarkt

Die von USA und Europäischer Union verhängten Barrieren werden den Handel mit chinesischen Textilien nicht dauerhaft aufhalten. "Der Aufstieg Chinas zum weltweit führenden Textilexporteur ist unaufhaltsam", sagt Frank Yuan, Chef des US-Unternehmens ASAP Show, das Kontakte zu Textilherstellern in China vermittelt

HB NEW YORK.In der vergangenen Woche besuchte Yuan mit einer 89-köpfigen Einkäufergruppe chinesische Exporteure. Auch deutsche Manager nutzten die Chance, im Reich der Mitte potenzielle Handelspartner kennen zu lernen.

Seit Jahresbeginn ziehen die amerikanischen und europäischen Textilimporte aus China deutlich an. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain lag das Volumen der Importe in die EU im Februar um 125 Prozent höher als ein Jahr zuvor. In den USA stieg das Volumen gar um 150 Prozent. Dahinter steckt die Öffnung des weltweiten Textilhandels nach dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO). Vorher bestimmten Quoten, wie viele Jeans, Hemden und Unterwäsche Exportländer wie China, Indien und Mexiko liefern durften.

Seit dem Ende des Quotensystems zum Jahresbeginn hat China rasant Marktanteile gewonnen. Einzelhändler und Bekleidungshersteller in Europa und Amerika finden dort "niedrige Kosten wie in einem Entwicklungsland, aber Qualitätsstandards und eine Geschwindigkeit, die eher einer Industrienation entsprechen", betonen die Bain-Berater. Damit sei China Ländern wie Indien und Vietnam überlegen, die zwar noch billiger produzieren, aber längere Lieferzeiten und schlechtere Qualitäten bieten.

Der rasante Anstieg der Textillieferungen aus China hat zwar protektionistische Gegenmaßnahmen in den USA und der EU ausgelöst. Beide Handelsregime nutzten eine WTO-Vertragsklausel, wonach sie das Importwachstum in einzelnen Textilkategorien auf maximal 7,5 Prozent jährlich beschränken dürfen. Die USA verhängten bereits einen Lieferstopp für einige Produktkategorien wie Strickwaren. Die EU erwägt Sanktionen für T-Shirts.

Doch die Handelsbarrieren werden China nicht dauerhaft aufhalten, glaubt Andy Xie, Volkswirt der US-Investmentbank Morgan Stanley. "Marktanteile werden nur vorübergehend verschoben zu Gunsten anderer Schwellenländer, die ihrerseits Garne aus China beziehen", schreibt Xie in einer aktuellen Studie. Die schiere Größe und die Fähigkeit Chinas, praktisch jedes Produkt in guter Qualität und unbegrenzter Stückzahl herzustellen, mache einen Ausschluss Chinas unmöglich.

Experten sehen auch kein Hindernis in der weithin erwarteten Aufwertung der chinesischen Währung, die bislang fest an den Dollar-Kurs gebunden ist. Die Bain-Berater schätzen, dass der Preis chinesischer Textilexporte um durchschnittlich zwei bis drei Prozent steigt, wenn der Renmimbi sich um fünf Prozent zum US-Dollar verteuert. Damit blieben Chinas Textilexporte aber konkurrenzfähig.

Deborah Weinswig, Handelsanalystin der US-Großbank Citigroup, erwartet, dass die chinesischen Exporteure höhere Kosten verkraften werden. "Dort stehen riesige Fabriken mit ungenutzten Kapazitäten, und außerdem warten andere Schwellenländer nur auf eine Chance, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen", sagt Weinswig. Die Preise für amerikanische und europäische Händler dürften daher kaum steigen.

Spätestens Ende 2008 fallen zudem die Handelsbarrieren der EU und USA. Dann müssen sie ihre Märkte völlig öffnen, um nicht ein Strafverfahren vor der WTO zu riskieren. Europäische und amerikanische Einkaufsmanager bereiten sich schon darauf vor, berichtet Kontakt-Vermittler Yuan: "Jeder versucht, so schnell wie möglich ins Geschäft zu kommen."

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