Analyse
Porsche und VW: Was wäre wenn?

Was wäre eigentlich, wenn Porsche mit Volkswagen eine Vollfusion anstreben würde? Diese Frage ist in der Diskussion um die Auswirkungen der Beteiligung des Stuttgarter Davids am Wolfsburger Goliath in Höhe von 20 Prozent bislang unbeleuchtet geblieben. Eine Handelsblatt-Analyse.

DÜSSELDORF. Wäre ein solch kühner Schritt überhaupt machbar? Was würde er für die beteiligten Akteure bedeuten? Wie wäre er zu bewerten? Die Frage nach der praktischen Umsetzbarkeit ist zwar im Detail wegen der verschiedenen Aktienkategorien und dem VW-Gesetz alles andere als unkompliziert, kann aber grundsätzlich mit einem Ja beantwortet werden.

Porsches Marktwert liegt auf Basis der Kapitalisierung der börsennotierten Vorzugsaktien rechnerisch bei über 10 Milliarden Euro. Volkswagen ist zum jetzigen Zeitpunkt rund das Doppelte wert. Angesichts der Tatsache, dass Porsche bereits ein Fünftel von Volkswagen besitzt, würde im Falle eines Aktientausches der Familienanteil am fusionierten Unternehmen grob bei einem Drittel liegen. Damit kann man die Geschicke eines Unternehmens effektiv lenken. In Italien machen dies die Agnellis bei Fiat schon seit einigen Jahrzehnten vor.

Die wichtigste Bedeutung einer solchen Radikallösung läge darin, dass sich mit der Großfamilie Porsche-Piëch, die alle Stammaktien und die Hälfte des Kapitals von Porsche besitzt, ein privater Investor nicht nur finanziell, sondern auch unternehmerisch hinter Volkswagen stellen würde.

Das wäre ein klarer Fortschritt gegenüber dem Status quo, in dem die strategische Unabhängigkeit des größten europäischen Automobilherstellers erstens durch die Beteiligung des Landes Niedersachsen in Höhe von 18 Prozent und zweitens durch das protektionistische Volkswagen-Gesetz gesichert wird. Dem staatlichen Anteilseigner käme seine Garantiefunktion abhanden und dem in der EU äußerst umstrittenen VW-Gesetz seine Daseinsberechtigung. Ein Ende des halbstaatlichen Daseins wäre für den VW-Konzern ein Segen.

Zudem würden alle Zweideutigkeiten, die durch den Einstieg von Porsche entstanden sind, beseitigt. Die nicht hinnehmbaren Interessenkonflikte, die aus der Doppelrolle von Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef von VW und Miteigentümer von Porsche resultieren, lösten sich auf.

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