Analysten rechnen mit halbiertem operativen Gewinn
VW-Konzern verdient mit der Kernmarke kein Geld mehr

Volkswagen dürfte schwache Quartalszahlen präsentieren. Derweil wurde der Besuch des VW-Wunschpartners aus Abu Dhabi von einer Bombendrohung überschattet.

hof FRANKFURT. Der Autokonzern VW steht unter einem schlechten Stern: Einen Tag bevor Finanzchef Hans Dieter Pötsch am Freitag bei der Vorstellung der Quartalszahlen die Misere der Kernmarke VW in der jüngsten Vergangenheit erläutert, wollte VW-Chef Bernd Pischetsrieder in Wolfsburg dem Außenminister des Wunschpartners Abu Dhabi die Zukunft in rosigen Farben malen. Doch das Treffen mit dem stellvertretenden Premier- und Außenminister, Scheich Hamdan bin Zayed al Nahyan, wurde nach einer Bombendrohung nach Berlin verlegt. Der potenzielle Investor vom Golf, der als Großaktionär einsteigen will, schickte eine verkleinerte Delegation mit dem Wirtschaftsminister des Emirats nach Wolfsburg. Scheich Hamdan bin Zayed al Nahyan sagte später in Berlin: „Wir vertrauen auf VW.“

Eigentlich war geplant, am VW-Stammsitz einen Joint-Venture-Vertrag zur Vorbereitung der gemeinsamen Übernahme von Leaseplan zu unterschreiben. VW will gemeinsam mit einer staatlichen Investitionsgesellschaft aus Abu Dhabi und einem saudischen Partner den europäischen Marktführer im Bereich Flottenmanagement für 2 Mrd. Euro von der niederländischen ABN Amro kaufen. Dabei wird geprüft, ob Abu Dhabi den Kaufpreis für den 50 %-Anteil von VW bezahlt und dafür 6,5 % der VW-Aktien erhält. VW ist im Besitz von 10 % der eigenen Stammaktien, die zu strategischen Zwecken eingesetzt werden. Zusätzlich wurde zwischen VW und Abu Dhabi vereinbart, Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei Rohstoffen zu prüfen.

Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal muss sich Finanzchef Pötsch mit der schwierigen aktuellen Lage beschäftigen. So ist nach Meinung vieler Analysten die Markengruppe VW, zu der neben der Kernmarke Volkswagen auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören, im ersten Quartal zum ersten Mal seit Jahren in die roten Zahlen gerutscht. Das operative Ergebnis des Konzerns dürfte sich gegenüber dem bereits schwachen Vorjahresquartal wahrscheinlich noch einmal mehr als halbiert haben. Im Schnitt rechnen die Analysten nur noch mit einem operativen Gewinn von knapp 300 Mill. Euro. Von der Prognose für das gesamte Jahr, im Konzern operativ mehr als 2,5 Mrd. Euro vor Sondereffekten zu verdienen, wird VW aber nicht abweichen.

Den Kurs der VW-Aktie, der in den vergangenen Tagen nach einer vierwöchigen Erholungsphase wieder um gut 5 % nachgegeben hat, dürfte dies kaum zusätzlich belasten. Denn zu deutlich habe Pischetsrieder und Pötsch die Anleger auf den Ertragsschwund vorbereitet. Bereits Anfang März kündigte der Konzernchef ein „miserables“ Ergebnis für das erste Quartal an. In der Hauptversammlung machte Pischetsrieder dafür die schwache Marktlage, die ungünstigen Wechselkurse und die Kosten für die Markteinführung zahlreicher neuer Modelle verantwortlich.

„Angesichts der sehr niedrigen Erwartungen ist es eine echte Herausforderung, nochmal negativ zu überraschen“, kommentieren daher die Automobilexperten der WestLB. Ab dem zweiten Quartal soll es dann aufwärts gehen. „Nach den Ergebnissen des ersten Quartals werden sich die Nachrichten von VW verbessern“, glaubt Jeremie Papin von Lehman Brothers.

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