Analysten stehen Kreml-Plänen skeptisch gegenüber
Rosneft verliert an Kreditwürdigkeit

Die Kehrtwende der russischen Regierung bei der geplanten Verschmelzung von Rosneft, dem größten Ölkonzern des Landes, mit dem Gasproduzenten Gazprom könnte Rosneft in Schwierigkeiten bringen: Gestern senkte die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Konzerns, weil Rosneft ohne die Fusion nicht mehr in der Lage sein könnte, seine Schulden zu bedienen.

mbr/juf/tom MOSKAU/DÜSSELDORF. In den kommenden zwölf Monaten muss der Konzern rund 5,4 Mrd. Dollar refinanzieren. Rosneft und die von ihm geschluckte wichtigste Yukos-Tochter, Yuganskneftegaz (YNG), sind zusammen bereits mit 20 Mrd. Dollar verschuldet. Für YNG hatte Rosneft Ende vergangenen Jahres 9,3 Mrd. Dollar bezahlt.

Zu Wochenbeginn hatte die russische Regierung die seit langem geplante Verschmelzung von Rosneft und Gazprom überraschend abgesagt: Trotzdem will sie den staatlichen Ölkonzern dazu nutzen, die Mehrheit an Gazprom zu erhalten.

Dazu haben sich die Kreml-Strategen eine komplizierte Transaktion ausgedacht: Über Rosneft soll der Erwerb von zehn Prozent der Gazprom-Aktien finanziert werden, was die Finanzlage des Ölkonzerns weiter verschlechtern würde. Denn Rosneft muss dafür mit Hilfe internationaler Banken sieben bis acht Mrd. Dollar stemmen. Analysten halten dies für schwer möglich. Finanzkreise in Moskau vermuten hinter den Regierungsplänen daher ein Ablenkungsmanöver, „eine Beruhigungspille für Gazprom-Investoren“.

Beim weltgrößten Gasproduzenten sollen nämlich künftig auch die Begrenzungen für ausländische Investoren fallen. Die 49 Prozent, die der Staat am Ende nicht für sich behalten will, sollen institutionellen Anlegern offen stehen. Analysten bezweifeln aber, dass sich viele westliche Unternehmen dafür interessieren werden: „Die Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos und der Prozess gegen seinen Gründer Michail Chodorkowskij haben das Vertrauen in ein stabiles Investitionsklima in Russland untergraben“, sagt ein Londoner Analyst. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich westliche Öl- oder Gasfirmen an Gazprom beteiligen würden. „Die setzen heute auf kleinere Schritte in Russland“, schätzt der Experte.

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