Andreas Bierwirth
Viva Vienna!

Andreas Bierwirth kam von Lufthansa zu Austrian Airlines. Er könnte dort Chef werden - wenn der Kranich zuschnappt.

WIEN. Seinen alten Arbeitgeber kann Andreas Bierwirth nicht vergessen - selbst wenn er wollte. In Wien bei Austrian Airlines vergeht kein Tag, an dem der 37-jährige Vorstand für Marketing und Vertrieb nicht auf Lufthansa angesprochen wird: "Haben wir allein wirklich keine Chance?" - "Wird Lufthansa uns übernehmen?" - "Was wird aus der Marke, unserem Flughafen in Wien?"

Bierwirth gibt gerne Auskunft, zu gerne. Denn ihm, dem früheren Marketingchef von Lufthansa, war schon vor seinem Wechsel von Frankfurt nach Wien klar, dass Austrian Airlines allein keine Chance hat. Die Privatisierung, die der Mehrheitseigner, die österreichische Staatsholding ÖIAG, jetzt eingeleitet hat, könnte auch ihm persönlich Flügel verleihen. Konkret: Er könnte neuer Vorstandschef werden.

Austrian Airlines ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 2,4 Milliarden Euro zu klein, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. 2007 verdiente die Fluggesellschaft nach einem harten Sanierungskurs, bei dem die Hälfte der Langstrecken gestrichen wurde, zwar erstmals seit Jahren wieder Geld. Doch das erste Quartal 2008 war infolge des Rekordölpreises schon wieder tiefrot.

Morgen entscheidet der Ministerrat, ob die Alleinstellungsstrategie aufgegeben wird und die Fluggesellschaft privatisiert wird. Lautet die Entscheidung ja, dann bleiben bis zu den Wahlen Ende September acht Wochen Zeit, um einen Käufer zu finden. Der Plan: 75 Prozent werden verkauft, den Rest erhalten als Sperrminorität österreichische Investoren.

Als heißester Kaufkandidat gilt Lufthansa - und Bierwirth gilt deshalb als trojanisches Pferd der Deutschen. Der amtierende Vorstandschef von Austrian, Alfred Ötsch, stand für die Alleinstellungsstrategie - und dürfte mit ihr fallen. Mit Lufthansa ist Austrian seit Jahren über die Star Alliance vernetzt, und mit ihr kooperiert sie auch in der Technik. Lufthansa hat zudem seit der gelungenen Übernahme der Swiss in den Alpen an Vertrauen gewonnen. Die Marke und das Drehkreuz Zürich blieben erhalten. Mit Austrian könnte Lufthansa an Air France-KLM vorbei zu Europas Nummer eins aufsteigen und sich den Wachstumsmarkt Osteuropa sichern.

Vier Monate nach seinem Amtsantritt wohnt Bierwirth zwar noch in Köln, mental ist der 37-Jährige aber in Wien angekommen. Der Kölner und der Wiener sind seines Erachtens "artverwandt". "Der Wiener sagt: ,Es geht sich schon aus.' Der Kölner: ,Es ist noch immer jut jejangen.'" Und überhaupt: Bierwirth hat sich in Wien verlobt, seine Familie wohnt in Tirol, und klar war für ihn deshalb schon immer: wenn ins Ausland, dann zu Austrian. Im Karneval nächstes Jahr ist ihm also ein Viva Vienna statt eines Viva Colonia zuzutrauen.

Er wird nicht gerne auf seine Rolle bei einer Übernahme von Austrian angesprochen. Die Parallele zu Christoph Franz, der als Ex-Lufthanseat kurz vor der Übernahme der Swiss durch Lufthansa nach Zürich ging und Vorstandschef wurde, ist zu klar. Die Frage, ob er der neue Vorstandschef einer deutschen Austrian sei, lässt ihn erröten: "Wer sich hochjubeln lässt, der kann auch tief fallen!" Von Namen und Posten habe er sich noch nie locken lassen. Nach dem Studium in Münster hätte er auch zu Bertelsmann gehen können, entschied sich aber für ein No-Name-Unternehmen, die Regionalfluggesellschaft Eurowings. "Bierwirth ist kein reiner Wirtschaftsmann, er hat Kerosin im Blut", sagt Ulrich Stiller, Marketing- und Vertriebschef des Flughafens Köln-Bonn.

Seine Karriere ist ein einziger Steigflug. Mit 14 Jahren macht er den Segelflugschein, nach der Banklehre dann das BWL-Studium in Münster und die Promotion beim Marketingpapst Meffert. Bei Eurowings steigt er schnell zum Geschäftsführer auf und treibt die Gründung der Billigfluglinie Germanwings voran - eine Tochter von Eurowings und Lufthansa.

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