Angebote der Kaufinteressenten fehlen
Agfa kriegt Gnadenfrist

Die Zukunft der insolventen Agfa Photo ist weiter ungewiss. Ein potenzieller Käufer hat sich zurückgezogen, ein zweiter will nur Teile aufkaufen, ein dritter hat noch kein Angebot abgegeben.

HB DÜSSELDORF. Zur Gläuberversammlung am Dienstag hätten noch keine bindenden Angebote der Kaufinteressenten vorgelegen. Deshalb habe man die Entscheidung über einen neuen Eigentümer verschoben, sagte ein Agfa-Sprecher in Köln. Zu den Gläubigern zählen Arbeitnehmervertreter, der Pensionssicherungsverein und Lieferanten.

Interesse an der Übernahme des gesamten Unternehmens habe inzwischen nur noch das britische Film- und Fotounternehmen Photo-me (PMI). Agfa Photo produziert Fotofilme, Fotopapiere, Fotochemie und Fotolabormaschinen. Die Briten wollten den Geschäftsbetrieb von Agfa Photo langfristig mit rund 400 Mitarbeitern fortführen. Derzeit sind etwa 1100 Menschen in dem Unternehmen beschäftigt. Der britische Finanzinvestor Cerberus habe sich wegen der noch ungeklärten Marken- und Lizenzrechte aus dem Bieterkreis zurückgezogen.

Der ehemalige Mutterkonzern Agfa-Gevaert hatte den Erwerbern von Agfa Photo die Lizenz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Nun aber verlangt Hartmut Emans, Hauptgesellschafter der von der Insolvenz verschonten Agfa-Photo-Holding, für die Weitergabe eine Abschlagszahlung in zweistelliger Millionenhöhe. Ohne den Markennamen dürfte Agfa Photo unverkäuflich bleiben.

Sollte das zu erwartende Angebot von Photo-me inakzeptabel ausfallen, werde der Insolvenzverwalter auf die Interessenten zurückgreifen, die sich nur für Teile der Agfa Photo interessierten. Zu diesem Kreis zähle auch der Foto-Konzern Fuji. Die Japaner wollten die Produktion der Großlabore an den Standorten München und Peiting übernehmen. Dort seien rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Fuji produziert ebenfalls Labormaschinen, allerdings nur für Fotoläden vor Ort, so genannte Minilabs.

Agfa Photo war erst Ende des vergangenen Jahres vom belgischen Agfa-Gevaert-Konzern abgespalten worden. Vor allem der Trend zur Digitalfotografie hat dem Filme-Hersteller zu schaffen gemacht. Ursprünglich erklärtes Ziel des Insolvenzverwalters Andreas Ringstmeier war es bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. August, von bundesweit gut 1700 Arbeitsplätzen mittelfristig 850 zu retten. Ob dies langfristig erreichbar sei, bleibe aber weiter unklar, sagte ein Agfa-Sprecher.

Ringstmeier habe auf der Gläubigerversammlung die Gesamtverbindlichkeiten von Agfa Photo auf 250 Millionen Euro beziffert, sagte der Sprecher weiter. Daraus errechne sich eine Gläubigerquote in der Größenordnung von 30 Prozent. Die Dauer des Verfahrens sei aber noch nicht abzusehen.

Alle Beschäftigten, deren Arbeitsplatz nicht gesichert werden könne, sollten in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln, in der sie ein Jahr lang rund 90 Prozent ihres bisherigen Entgelts bekommen sollen, bekräftigte der Agfa-Sprecher.

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