Angespannte Lage
VW-Sanierungsgespräche stehen „Spitz auf Knopf“

In angespannter Stimmung sind die Tarifgespräche über die Sanierung der sechs westdeutschen VW-Werke in Hannover am Mittwoch fortgesetzt worden. Die IG Metall drohte mit Abbruch, wenn VW sich weiterhin bei den Produktionszusagen bedeckt halte.

HB HAMBURG. „Es steht Spitz auf Knopf“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde. Er drohte mit dem Abbruch der Verhandlungen, falls Volkswagen keine konkreten Produktionszusagen für alle Werke auf den Tisch lege.

VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes bestätigte, die Verhandlungen seien „in einer schwierigen Phase“. Er lehnte Auskünfte darüber ab, ob konkrete Angebote zu erwarteten sind. Ein Ende der Verhandlungen war am Mittwochnachmittag nicht abzusehen.

Meine sagte, in den Werken herrsche unter den Mitarbeitern eine „hohe Anspannung“. Das hätten die von rund 20 000 Arbeitern besuchten Informationsveranstaltungen am Dienstag gezeigt. „Heute ist VW am Zug“, sagte Meine. Dierkes dagegen erinnerte erneut daran, dass „die Veränderung der Arbeitskosten“ wichtig für VW sei.

Das Unternehmen will in den sechs westdeutschen Werken neben der Verlängerung der Wochenarbeitszeit um sechs auf 35 Stunden bei gleichem Lohn auch kürzere Pausen und unbezahlte Qualifizierungszeiten durchsetzen. Die IG Metall macht einen Beitrag der Arbeitnehmer zur Kostensenkung weiter von verbindlichen Zusagen zur künftigen Auslastung der Werke abhängig. Sie fordert konkrete Modell- und Investitionszusagen.

Volkswagen hatte angesichts roter Zahlen in den westdeutschen Fabriken bereits im Frühjahr 20 000 Arbeitsplätze in den westdeutschen Werken als bedroht eingestuft. Über 13 000 der 100 000 Mitarbeiter haben inzwischen Verträge zum Vorruhestand oder Aufhebungsverträge unterschrieben. Die Tarifgespräche über Sanierungsmaßnahmen, denen mehrere Sondierungen vorausgingen, finden bei ungekündigten Tarifverträgen statt.

Zur Zeit werden die knapp 100 000 VW-Mitarbeiter in Westdeutschland nach einem Haustarif bezahlt, der rund 20 Prozent über dem Flächentarif der Branche liegt. Die IG Metall hatte angedeutet, möglicherweise die für Januar geplante neue Tarifrunde in die Verhandlungen mit einzubeziehen.

Nach dem Ende der zweiten Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag hatte die IG Metall Volkswagen ein Ultimatum gesetzt. Bis zum Mittwoch müsse der Konzern konkrete Vorschläge für die Auslastung der Werke vorlegen, sonst würden die Tarifgespräche abgebrochen. Bislang habe es keine Zusage für den Bau des neuen Golf-Nachfolgers und eines weiteren Modells in Wolfsburg gegeben. Dagegen hatte VW betont, der IG Metall einen Katalog zur Entwicklung der Werke vorgelegt zu haben.

Am Dienstag hatte die Belegschaft der sechs westdeutschen VW-Werke ihre Entschlossenheit gegenüber dem Management betont: Zu so genannten Informationsveranstaltungen der Betriebsräte waren nach Gewerkschaftsangaben 20 000 Beschäftigte gekommen.

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