Anleger verzichten auf bis zu 30 Prozent des Schaeffler-Angebots
Angstverkäufe bei Conti

Die Zweifel an einem Gelingen der Conti-Übernahme durch den Autozulieferer Schaeffler wachsen. Tausende Aktionäre trennten sich in den vergangenen Wochen mit Abschlägen von bis zu 30 Prozent von ihren Conti-Aktien, obwohl ihnen Schaeffler später einen Preis von 75 Euro pro Aktie garantiert.

DÜSSELDORF/HANNOVER. Die Investoren glauben offenbar nicht mehr daran, dass der Deal entgegen allen Zusicherungen Schaefflers zustande kommt. Sie wollen die kartellrechtliche Genehmigung nicht abwarten. Und vorher kann kein Geld für ihre Aktien fließen.

Seit Beginn des Übernahmeangebots im August wechselten Aktien im Wert von mehr als 1,5 Mrd. Euro unter dem offiziellen Kaufangebot den Besitzer. Das entspricht 14 Prozent aller Conti-Aktien. Weil der Kurs des Reifenherstellers inzwischen auf rund 37 Euro gesunken ist, rechnen Beobachter zudem mit gravierenden bilanziellen Problemen. Laut Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting muss Schaeffler nach Abschluss des Kaufs auf jeden Fall prüfen, ob "nicht ein gewaltiger Abschreibungsbedarf besteht". Schaeffler will vorerst nur 49,9 Prozent der Aktien behalten. Das entspräche bei anhaltend schwachem Kurs einem Abschreibungsbedarf von mehr als drei Mrd. Euro. Schaeffler bestreitet das.

Noch ist die Übernahme aber nicht einmal bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht - das geschieht voraussichtlich heute. Danach hat die Kommission 25 Arbeitstage Zeit, sie kann aber auch eine vertiefende Untersuchung einleiten; dies würde weitere 90 Arbeitstage dauern. Dann erhielten Conti-Aktionäre ihr Geld erst im Frühjahr 2009. Sollte allerdings bis zum 6. März keine Entscheidung gefallen sein, erlischt das Übernahmeangebot komplett. Die Aktien würden dann auf die Konten der früheren Conti-Aktionäre zurückgebucht. Das sei aber nicht beabsichtigt, sagte ein Schaeffler-Sprecher.

Ein Scheitern der Übernahme des Automobilzulieferers type="organisation" value="DE0005439004">Continental durch den Wettbewerber Schaeffler hätte unerwartete Folgen: "Am Ende bezahlt praktisch der britische Steuerzahler den Deal", sagt Axel Jäger, Professor für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Frankfurt. Conti-Aktionäre können bei einem Rückzieher Schadensersatzklagen gegen den Bieter Schaeffler, aber auch gegen die Konsortialbank Royal Bank of Scotland (RBS) richten. RBS ist gerade erst mit einer Milliarden-Kapitalhilfe der britischen Regierung vor der Pleite bewahrt worden.

Wirtschaftsrechtler Jäger verweist auf eine Besonderheit im deutschen Übernahmerecht. Nach Paragraf 13 sei die Bank "Teil des Angebotsverfahrens". Deshalb versicherte die RBS im Anhang des Schaeffler-Kaufangebots vom 29. Juli auch, dass "die Schaeffler KG die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um sicherzustellen, dass ihr die zur vollständigen Erfüllung des Angebots notwendigen Mittel (. . .) zur Verfügung stehen". Mit dieser von der Börsenaufsicht BaFin abgesegneten Finanzierungsbestätigung, so der Frankfurter Wissenschaftler, könnten Conti-Aktionäre Ansprüche auch gegen die Bank geltend machen.

Seite 1:

Angstverkäufe bei Conti

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%