Anlegeranwalt Braun
„Piëch hätte die Optionsgeschäfte verhindern müssen“

Ferdinand Piëch hat seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt. Kläger-Anwalt Franz Braun erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, welche Folgen das Urteil für Porsche und Piëch haben könnte.
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DüsseldorfDie gescheiterte Übernahme von Volkswagen ist nicht nur für Porsche, sondern auch für viele Aktionäre zum Millionengrab geworden. Mit riskanten Optionsgeschäften hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Wiedeking versucht, die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen – und war gescheitert. Seitdem versuchen etliche Anleger mit Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe, ihr Geld zurück zu holen. Nun hat das Oberlandesgericht Stuttgart entschieden, dass der damalige Aufsichtsrat Ferdinand Piëch seinen Pflichten nicht gerecht geworden ist, weil er die riskanten Geschäfte nicht rechtzeitig bremste.

Anwalt Franz Braun von der Kanzlei CLLB vertritt 72 der Kläger gegen Porsche, überwiegend institutionelle Anleger. Im Interview mit Handelsblatt Online erklärt er, welche Folgen das Urteil für die Schadensersatzklagen hat und ob Ferdinand Piëch persönlich haftbar gemacht werden kann.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat entschieden, dass Ferdinand Piëch seine „Kardinalpflichten“ als Aufsichtsrat verletzt hat. Gibt das Urteil Ihrer Schadensersatzklage Auftrieb?

Wir fühlen uns durch das Urteil bestätigt. Ferdinand Piëch hat 2009 gesagt, dass er sich nie Klarheit über die Details der Optionsgeschäfte verschaffen konnte. Das bedeutet für mich, dass er sie zwar kannte, er aber auch 2008 keine Klarheit über die mit ihnen verbundenen Risiken hatte. Wenn er sagt, dass er die Geschäfte nicht verstanden hat, folgt daraus, dass sie ihm zumindest bekannt waren. Unmittelbare Folgen wird das Urteil aber wohl nicht haben.

Welche Verantwortung trägt Ferdinand Piëch für den entstandenen Schaden?

Ein wesentlicher Teil der Ansprüche, die wir geltend machenberuht auf der Ankündigung von Porsche im Oktober 2008, in der offen dargelegt wurde, welche Anteile an VW Porsche über die Optionsgeschäfte bereits hält. Wenn man der Argumentation des OLG folgt und Herr Piëch eben diese Optionsgeschäfte hätte verhindern müssen, dann hätte es auch diese Meldung nicht gegeben und dann stünden auch die Ersatzansprüche, die wir geltend machennicht im Raum. Wenn Porsche also Schaden entstanden ist, kann dieser Anspruch gegenüber Herrn Piëch geltend gemacht werden.

Können Aktionäre nach dem Urteil auch direkt Schadenersatzklage gegen Ferdinand Piëch einreichen?

Unmittelbare Haftung ist mit dem Urteil nicht automatisch verbunden. Das beruht auch darauf, dass die Aufsichtsratspflichten in erster Linie dem Unternehmen geschuldet sind. Und der einzelne Aktionär kann nicht ohne weiteres Ansprüche darauf stützen. Ich rechne jetzt nicht mit einer Klagewelle.

Porsche hat bereits angekündigt, vor dem Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil einlegen zu wollen. Eine erfolgreiche Strategie?

Die Erfolgsaussichten einer Nichtzulassungsbeschwerde sind überschaubar, da die Hürden relativ hoch sind. Wenn man sich die Statistiken anschaut, werden die wenigsten angenommen – und wenn nur in Ausnahmefällen. Dass hier ein solcher vorliegt, glaube ich nicht.

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„Dem Vorstand gehört die Firma nicht“

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