Anstieg
Strompreis erreicht neuen Rekordwert

Die Kältewelle in Europa hat dem Strompreis einen neuen Schub gegeben: Die Notierungen im Großhandel klettern auf immer neue Höchststände. Industriekunden müssen sich deshalb auf weitere Zusatzbelastungen einstellen. Die Entwicklung heizt aber auch die Debatte über die Ursachen des drastischen Preisanstiegs weiter an.

DÜSSELDORF. Während die Versorger den witterungsbedingt hohen Strombedarf und steigende Gaspreise als Gründe anführen, halten Industrievertreter die Ausschläge für übertrieben und unterstellen den Kraftwerkbetreibern, das Angebot künstlich zu verknappen.

An der Leipziger Strombörse ist der Terminkontrakt für Lieferungen im Kalenderjahr 2007 seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent gestiegen und notierte am Mittwoch bei etwa 57,50 Euro je Megawattstunde – knapp unter dem Rekordwert. Der rasante Aufwärtstrend des vergangenen Jahres setzt sich damit ungebremst fort. Anfang 2005 hatte der vergleichbare Terminkontrakt für 2006 noch bei rund 34 Euro notiert. Der Börsenpreis ist eine wichtige Referenzgröße für die Verträge, die Industriekunden für gewöhnlich bilateral mit den Versorgern schließen. Unternehmen, deren langfristige Bezugsverträge jetzt auslaufen, müssen zumeist die Vorgaben der Börse akzeptieren.

„Die Entwicklung ist für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich“, sagt eine Sprecher von RWE Trading, der Handelstochter von Deutschlands größtem Stromproduzenten. Die Nachfrage sei wegen der kalten Witterung eben sehr hoch. Wegen des kalten Winters hielten sich die Notierungen im kurzfristigen Spotmarkt auf hohem Niveau, erläutert eine Sprecherin von Vattenfall Trading Services. Dies schlage dann auf die Einschätzungen am Terminmarkt durch, auf dem die Händler Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung bewerten.

In der Tat dürften die niedrigen Temperaturen die ohnehin angespannte Situation auf dem Strommarkt verschärft haben. Der Winter ist so kalt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Allein im März lagen die Temperaturen bislang rund vier Grad tiefer als im langfristigen Schnitt. Die Kraftwerke laufen auf Hochtouren, um die hohe Nachfrage zu decken.

Stephan Illerhaus, Analyst beim Energiehändler Statkraft Markets, sieht noch weitere Faktoren, die auch indirekt mit dem kalten Wetter und dem hohen Energiebedarf zu tun haben. Die Kohlepreise hätten wieder angezogen. Der Referenzwert für eine Tonne sei in den vergangenen Wochen von 62 auf 66 Dollar gestiegen. Zudem hätten die Engpässe in der Gasversorgung den Markt verunsichert. Zunächst lieferte Russland wegen des Streits mit der Ukraine weniger Gas nach Westeuropa als vereinbart, dann drosselte das Land die Lieferungen wegen einer ersten Kältewelle. Jetzt meldet Großbritannien einen Engpass. „Der Markt wird eben stark von psychologischen Faktoren getrieben“, sagt Analyst Illerhaus.

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