Apax
Finanzinvestor peilt Einstieg bei Escada an

Der krisengeschüttelte Modekonzern Escada ist ins Visier eines Finanzinvestors geraten. Die Beteiligungsgesellschaft Apax prüft nach Informationen aus Branchenkreisen einen Einstieg. „Apax schaut sich Escada derzeit an und prüft ein Engagement“, hieß es. Für eine Beteiligung sprechen mehrere Faktoren.

DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Unklar blieb zunächst, ob der Finanzinvestor lediglich eine Minderheitsbeteiligung anstrebt oder aber den im S-Dax notierten Konzern mehrheitlich übernehmen will. Branchenexpertise und ausreichend Kapital wären vorhanden. Apax hatte 2004 die CBR-Gruppe mit der Modekette Street One übernommen und erst im Herbst für einen neuen Fonds 11,5 Mrd. Euro eingesammelt. Apax und Escada lehnten Kommentare ab.

Mit Apax als Aktionär würde auch der zweitgrößte deutsche börsennotierte Modekonzern unter den Einfluss eines Finanzinvestors geraten. Die Nummer eins, Hugo Boss, wird seit vergangenem Jahr von Permira beherrscht. Die Private-Equity-Gesellschaft, die knapp 90 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und mehr als die Hälfte der Vorzüge hält, drängt auf eine höhere Gewinnausschüttung. Beim drittgrößten Modekonzern Gerry Weber hatten die Gründerfamilien Anfang des Jahres ihre Anteile aufgestockt – aus Furcht vor dem Einstieg eines Investors.

Modekonzerne, die über eine starke Marke verfügen und die Wertschöpfungskette vom Entwurf bis zur Ladentheke beherrschen, versprechen hohes Wachstum und hohe Renditen. Seit Beginn der Finanzkrise geraten nun kleinere und mittlere Firmen wie Escada ins Visier von Finanzinvestoren. Grund hierfür ist, dass die Private-Equity-Häuser von den Banken nicht mehr die für Milliarden-Übernahmen notwendigen Kredite erhalten. Erst vor kurzem prognostizierte etwa EQT-Deutschland-Chef Marcus Brennecke, dass sich die Fonds vermehrt im S- und M-Dax umsehen. Experten gehen davon aus, dass Private Equity angesichts des hohen Anlagedrucks und mangels Kaufzielen sich vermehrt auch mit Minderheitsbeteiligungen begnügen werden.

Escada steckt seit Jahren in der Krise. Die Aktie hat seit Sommer fast ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Erst am Freitag hatte der neue Vorstandschef von Escada, Jean-Marc Loubier, eine tiefrote Bilanz präsentiert. Im Geschäftsjahr 2006/2007 (bis Ende Oktober) verbuchte der Konzern bei guter Branchenkonjunktur einen Verlust von 27,3 Mill. Euro. Der Umsatz ging leicht auf 686 Mill. Euro zurück. Das von Loubier eingeleitete Restrukturierungsprogramm greift noch nicht. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres waren bei Umsatzeinbußen die operativen Kosten um vier Prozent gestiegen. Die Analysten von Sal. Oppenheim zeigten sich deshalb „klar enttäuscht“. Die Aktie gab am Freitag erneut um über acht Prozent auf unter 13 Euro nach. An der Börse ist Escada damit nur noch 217 Mill. Euro wert.

Bei der Restrukturierung will sich Loubier, ein ehemaliger Manager des weltgrößten Luxusgüterkonzerns LVMH, deshalb jetzt auf die Kernmarke konzentrieren. „Es gibt derzeit kein Mandat. Für einen guten Preis würden wir die Marke Primera aber verkaufen“, sagte Loubier. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen suchen Investmentbanken bereits nach potenziellen Käufern – und zwar nicht nur für Primera, sondern auch für Biba. Primera und Biba stehen für günstigere Damenmode als die Kernmarke.

Escada wird derzeit von Rustam Aksenenko dominiert, der 27 Prozent der Anteile hält. Der Russe, dessen Familie im Jahr 2003, als Escada in Folge der Terroranschläge von 2001 und der Sars-Epidemie kurz vor dem Ruin stand, günstig eingestiegen war, mischt aktiv mit. 2007 ersetzte er den noch von Escada-Gründer Wolfgang Ley aufgebauten Vorstandschef Frank Rheinboldt durch Loubier. Die Vorwürfe, die er durch eine Studie der Beratungsfirma Bain stützen ließ: Escada wachse im Vergleich zu anderen Luxusmarken wie Gucci zu langsam und verdiene zu wenig Geld. Dem ersten Streich folgte vergangene Woche der zweite: Claus Mingers wurde neuer Aufsichtsratschef. Der Ex-Vorstand des Handelskonzerns Douglas gilt als Vertrauter Aksenekos. Neue Anteilseigner, die seinen Kurs unterstützen, würde Aksenenko sicher begrüßen.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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