Arbeitnehmer fordern Job-Garantien
VW und Opel droht ein heißer Herbst

Anders als bei Daimler-Chrysler steht bei Volkswagen und Opel eine Einigung um ein umfangreiches Sparpaket aus. Ein Experte erwartet jedoch noch tiefere Einschnitte. Opel und VW seien weit weg von der Mercedes-Welt.

HB FRANKFURT. Bei VW haben Vorstand und Gewerkschaft schon vor Beginn der Verhandlungen am 15. September ihre Klauen gezeigt, während bei Opel die Gespräche seit einigen Monaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen.

„Daimler-Chrysler ist kein Musterabschluss“, warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. „Opel und VW sind weit weg von der Mercedes-Welt.“ Tiefe Einschnitte für die Mitarbeiter seien zu erwarten. Beim neuen Haustarifvertrag für Volkswagen reden bereits im Vorfeld alle mit, von der IG-Metall- Spitze bis hin zu den Landespolitikern in Niedersachsen, das als Land an VW mit 18 Prozent beteiligt ist. Bei Opel geht es um die eigene Umsetzung des Tarifabschlusses in der Metall- und Elektroindustrie. Der Kreis der Beteiligten beschränkt sich zunächst auf Geschäftsleitung und Betriebsrat.

Beide Opel-Parteien haben es sich zum Ziel gesetzt, einen öffentlichen Schlagabtausch mit ideologisch verklärten Positionen unbedingt zu vermeiden. Seit Dienstag sitzen sie wieder zusammen, die Frist zur Einigung läuft bis Ende Oktober: Auf der einen Seite der neue Opel-Chef Hans Demant, auf der anderen der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz, der für seinen energischen, aber dennoch kompromissorientierten Verhandlungsstil bekannt ist.

Lage bei Opel sehr angespannt

Für die Adam Opel AG, die seit Jahren hohe Verluste macht, könnte die Lage kaum angespannter sein: Unter einer neuen Führung, zu der auch der bisherige Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster zählt, will der Mutterkonzern General Motors (GM) in Europa die Produktionsabläufe seiner verschiedenen Hersteller enger verzahnen und kostengünstiger machen. Dabei sollen neue Synergien zum Beispiel zwischen Opel und Saab entstehen. Für die deutschen Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern bedeutet dies, dass sie sich künftig stärker mit anderen europäischen Standorten messen lassen müssen.

Dieser Wettbewerb wäre einfacher zu verkraften, wenn die deutsche Autokonjunktur wieder an Fahrt gewänne. In hochmodernen Opel- Stammwerk in Rüsselsheim wird derzeit wegen der geringen Auslastung aber zum Teil nur 30 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein Impuls vom Automarkt zeichnet sich nicht ab: Im Juli wurden in Deutschland mit 267 000 Fahrzeugen sieben Prozent weniger neu zugelassen als im Vorjahresmonat, die Prognose für das Gesamtjahr hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) bereits gesenkt.

Arbeitnehmer fordern Beschäftigungsgarantien

Die Arbeitnehmervertreter bei VW und Opel fordern vor allem eines: Beschäftigungsgarantien. Ihre Kollegen bei Daimler-Chrysler waren bereit, Einsparungen von jährlich 500 Mill. Euro zu schultern, weil die Unternehmensleitung zusicherte, die Jobs bis 2012 zu sichern. VW und Opel zeigten sich bisher nicht gewillt, solche Zusagen zu machen. Im Sieben-Punkte-Programm von VW-Personalvorstand Peter Hartz habe ein achter Punkt gefehlt, kritisierte Hartmut Meine, niedersächsischer Bezirksleiter der IG Metall, „nämlich die Arbeitsplatzgarantie“.

Opel-Betriebsrat Franz fordert eine Beschäftigungssicherung bis 2010, doch sein früherer Vorgesetzer Forster hält solche Zusagen für nicht mehr zeitgemäß: „Wir müssen uns einfach davon verabschieden, dass man sein Leben versichert bekommt.“ Wer sich am Ende bei Volkswagen und Opel durchsetzt, werden die kommenden Wochen zeigen. Die erste Einigung dürfte dabei nicht ohne Wirkung auf den Konkurrenten bleiben.

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