Audi, BMW, Daimler und Nokia Here
Alle gegen Google

Mit der Übernahme des Kartendienstes Nokia Here zieht die deutsche Autoindustrie in den Kampf gegen das Silicon Valley. Klar ist: Die Premiumhersteller Audi, BMW und Daimler brauchen künftig noch weitere Partner.
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MünchenSean Fernback ist ein glücklicher Hausherr. „Wir haben unser Wunschergebnis“, sagt der Chef des Kartendienstleisters Nokia Here. „Das Schicksal ist nun in unserer eigenen Hand“. Und auch seine Gäste sind um große Worte nicht verlegen. Hier gehe es um die „Mobilität der Zukunft“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Einen „historischen Schritt“ nennen BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich und Daimler Forschungschef Thomas Weber die Übernahme von Nokia Here durch die drei Autokonzerne.

Am vergangenen Freitag haben die drei deutschen Premiumhersteller den gemeinsamen Kauf des Berliner Unternehmens endgültig besiegelt. Am Montag stellten sie ihre Pläne in Berlin vor – ganz im Stil des Hauses, auf Englisch und ohne Krawatte. 2,8 Milliarden Euro haben die drei Erzrivalen für das Berliner Unternehmen auf den Tisch geblättert, der alles andere ist als ein schnöder Kartendienst.

Aus Nokia Here soll in den kommenden Jahren eine Art goldenes Ei der Autoindustrie entstehen. Die präzisen Karten der Berliner sollen mit den Sensoren der Autos vernetzt werden und so ein exaktes Echtzeitbild der Umgebung schaffen. So wird aus einem Auto ein „intelligentes Device“, wie man neuerdings in der Branche sagt. Bremst das Auto der Zukunft meldet es diese Information an das nächste, das dann bremst, bevor die Fahrer die Gefahr bemerkt haben wird.

Was zunächst die Autos sicherer machen wird, endet morgen schon in der Ablösung des Fahrers. Algorithmen, gespeist aus riesigen Datenwolken übernehmen erst das Steuer einzelner Autos und anschließend den Verkehr ganzer Städte. Das ist die Vision – und dafür braucht man Nokia Here.

Die einstige Tochter des finnischen Nokia-Konzerns ist neben Tom Tom einer der letzten unabhängigen Kartendienste jenseits des US-Riesen Google. Das macht die Berliner so wichtig. Denn die Amerikaner arbeiten mit Hochdruck an dem Eintritt in das Mobilitätsgeschäft und versuchen möglichst viele Partner aus der Autoindustrie für ihr Projekt zu gewinnen. Das ist nun auch das erklärte Ziel der Deutschen.

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