Aufgeblähter Gewinn
Porsches finanzieller Atem war doch zu kurz

Das Eingeständnis dürfte ihm nicht leicht gefallen sein: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking räumte am Donnerstag vor seinen Beschäftigten ein, dass der Autobauer frisches Kapital braucht. Warum benötigt Porsche plötzlich Geld? Was ist passiert, glänzte der Sportwagenbauer nicht zuletzt mit Milliardengewinnen?

STUTTGART. Das Ergebnis vor Steuern von August bis Januar hatte Porsche auf 7,34 Mrd. Euro vervierfacht. Die Stuttgarter machten damit doppelt so viel Gewinn wie Umsatz.

Doch der Gewinn ist aufgebläht durch Optionsgeschäfte mit der VW-Aktie. Die drohen in sich zusammenzufallen, seit klar ist, dass Brüssel das VW-Gesetz nicht kippen will. Die geplante Aufstockung von 50,8 auf 75 Prozent mit anschließendem Gewinnabführungsvertrag ergibt deshalb keinen Sinn mehr, weil das Land Niedersachsen mit seiner Sperrminorität bei VW einen solchen Schritt jederzeit blockieren könnte. Über den Gewinnabführungsvertrag hätte sich Porsche refinanzieren können, da VW über liquide Mittel von knapp elf Mrd. Euro verfügt. Weil dieser Weg auf absehbare Zeit versperrt ist, kann Porsche sich für die Beteiligung an VW nicht noch mehr verschulden.

Viel schlimmer: Auch das bisher Erreichte ist in Gefahr. Porsche sitzt nach der sechs Mrd. Euro teuren Aufstockung der Beteiligung an VW auf 50,8 Prozent auf Nettoschulden von neun Mrd. Euro. Im Rückblick war dieser letzte Zug ein Fehler. Hätte Wiedeking ihn nicht getan, wäre jetzt keine Kapitalerhöhung nötig. Denn auch mit 42,6 Prozent hätte Porsche eine Mehrheit in der VW-Hauptversammlung. Allein der Schuldendienst verschlingt locker eine halbe Milliarde Euro im Jahr, gut die Hälfte dessen, was der Konzern mit dem Verkauf von Autos pro Jahr bislang verdiente. Zwar kann Porsche die Zinsen aus dem laufenden Geschäft bedienen. Die Frage ist aber: Wie lange, und mit welchen Folgen? Zumal die Autokrise auch Porsche inzwischen voll erwischt hat, die Verkaufszahlen gehen deutlich zurück. Längst ist nicht mehr sicher, dass die Stuttgarter mit dem Verkauf von Autos in den nächsten Jahren einen Gewinn von bislang einer Mrd. Euro erzielen können. Deshalb hat sich die Lage zugespitzt.

Zudem konnte Porsche einen Kredit über zehn Mrd. Euro Ende März nur mit Mühe und zu hohen Zinskonditionen abschließen. Der einfachste Weg, die vorhandenen Optionen gegen Bargeld einzulösen, funktioniert nicht, weil der Aktienkurs von VW sofort zusammenbrechen würde, vermutlich bis unter den Basispreis der Optionen. Wiedeking und Finanzchef Härter kommen aus der Nummer nicht mehr heraus.

Porsche muss runter von seinen neun Mrd. Euro Schulden. Um keinen Finanzinvestor an Bord nehmen zu müssen, will die Familie die im Raum stehende Kapitalerhöhung über fünf Mrd. Euro zur Hälfte selbst stemmen und hofft, dass die Vorzugsaktionäre die andere Hälfte beisteuern. Durch eine solche Finanzspritze gestärkt, würde der Wert von Porsche steigen und damit die Chancen, am künftigen VW-Porsche-Konzern weiterhin 50 Prozent zu halten. Spannend wird, wie die Familien die Milliarden auftreiben wollen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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