Aufregung über Preise "maßlos übertrieben"
Ruhrgas erhöht Preis geringer als geplant

Ruhrgas erhöht die Preise um vier Prozent. Bislang war das Unternehmen von acht Prozent ausgegangen. Ruhrgas-Chef Bergmann kritisierte zugleich die derzeitige Diskussion über die Energiepreise als «maßlos übertrieben».

HB BERLIN. Deutschlands größter Importeur von Erdgas, die zum Eon-Konzern gehörende Ruhrgas, hebt seine Gaspreise zum 1. Oktober weniger stark an als zunächst geplant. Sie sollten «lediglich um vier Prozent erhöht werden», sagte Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Im Mai hatte Ruhrgas für Herbst eine Tariferhöhung von sieben bis acht Prozent angekündigt.

Allerdings hatte ein Sprecher des Unternehmens schon Ende August gesagt, dass die Erhöhung wohl doch geringer als ursprünglich gedacht ausfallen werde. Bergmann bestritt in dem Interview einen Zusammenhang mit den Ermittlungen des Bundeskartellamts und den massiven Protesten von Verbraucherverbänden und der Industrie über die hohen Energiekosten in Deutschland.

Man habe sich exakt an die bestehenden Verträge mit den Gasförderländern gehalten. «Und deren Berechnung hat eine Preiserhöhung von vier Prozent ergeben», sagte der Ruhrgas-Chef. Eine weitere Preiserhöhung ab Januar 2005 sei aber nicht ausgeschlossen. Seit April seien die Einfuhrpreise von Gas stetig gestiegen, «und wir können jetzt schon absehen, dass sie im Verlauf des Jahres noch weiter klettern werden». Diese Entwicklung werde mit zeitlicher Verzögerung an die Kunden weitergegeben.

Bergmann sagte, er halte die Diskussion über die Preispolitik der Energiekonzerne für «maßlos überzogen»: «Wir haben uns nichts vorzuwerfen.» Bei den Großhandelspreisen von Gas sei Deutschland «durchaus konkurrenzfähig», so Bergmann weiter. Bei einer fairem Vergleich von Haushaltspreisen in Europa müsse berücksichtigt werden, dass hierzulande die steuerlichen Belastungen für Erdgas sehr hoch seien. Zudem sei etwa in Großbritannien der Marktanteil von Gas viel größer, wodurch die Kosten für das Netz pro Kunde geringer seien.

Bergmann verteidigte zugleich die Preisbindung von Gas an den Ölpreis, was vom Kartellamt und von Verbraucherschützern kritisiert worden war. Alle Parteien, auch die Verbraucher, hätten von dieser Regelung Vorteile, sagte Bergmann. Auch Preissenkungen würden exakt weitergegeben. Durch die Ölpreisbindung bleibe der Gaspreis berechenbar.

«Ohne diesen Mechanismus könnten die dominierenden Erdgasförderländer den Preis durch ihre Angebotspolitik langfristig fast nach Belieben diktieren», erklärte der Ruhrgas-Chef. In Ländern ohne Ölpreisbindung, wie den USA oder Großbritannien, seien die Ausschläge beim Preis deutlich größer als in Deutschland, «und de facto folgt auch dort der Gas- dem Ölpreis». Allerdings sei die Ölpreisbindung auch «kein Dogma für alle Ewigkeit».

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