Aufsichtsrat berät
RWE-Chef Roels soll länger bleiben

RWE-Chef Harry Roels kann auf eine zweite Amtszeit hoffen. Chefkontrolleur Thomas Fischer will Roels’ Vertrag vorzeitig verlängern – allerdings nicht um fünf, sondern wohl nur um zwei Jahre. Die endgültige Entscheidung über eine Vertragsverlängerung liegt allerdings beim Aufsichtsrat. Und dort hat Roels einflussreiche Gegner.

DÜSSELDORF. Der RWE-Aufsichtsrat wird am 21. Februar – zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz – über die Personalie beraten, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Wie es heißt, sei der Punkt „Vorstandsangelegenheiten“ nachträglich auf die Tagesordnung gekommen – offenbar auf Drängen von Chefkontrolleur Thomas Fischer. Der WestLB-Chef will Roels’ Vertrag, der Ende Januar 2008 ausläuft, vorzeitig verlängern – allerdings nicht um fünf, sondern wohl nur um zwei Jahre. RWE lehnte eine Stellungnahme ab.

Dass das Gremium Fischers Vorschlag folgt, und schon nächste Woche eine Entscheidung trifft, ist nicht sicher. Die verkürzte Vertragsverlängerung gilt zwar als Kompromiss, der für alle Parteien im Aufsichtsrat – Kapitalseite, Arbeitnehmervertreter und kommunale Aktionäre – akzeptabel wäre. Vor allem bei vielen der einflussreichen Ruhrgebiets-Kommunen muss der Niederländer vier Jahre nach seinem Amtsantritt aber immer noch gegen Vorbehalte kämpfen. Gerüchte, Roels müsse 2008 abtreten, waren nie verstummt. Mehrfach war sogar über seine vorzeitige Ablösung spekuliert worden. Der Vorstandschef sah sich schon bei der Bilanzpressekonferenz 2005 genötigt klarzustellen, dass er selbst gerne eine weitere Amtszeit anschließen würde – drei Jahre vor Ablauf des ersten Vertrages.

Roels kann zwar große Erfolge vorweisen. Unter seiner Ägide hat RWE den großen Schuldenberg restlos abgebaut, den sein Vorgänger Dietmar Kuhnt durch milliardenschwere Übernahmen angehäuft hatte. Er hat den Konzern wieder auf das profitable Kerngeschäft mit Strom und Gas konzentriert. Die Gewinne sprudeln, die Dividende steigt, und der Aktienkurs kletterte in den vier Jahren von 20 auf über 80 Euro.

Mit seinem kapitalmarktorientierten Kurs hat sich Roels allerdings nicht nur Freunde gemacht. Den Ausstieg aus dem verlustreichen Müllgeschäft quittierten viele Landräte und Bürgermeister der beteiligten Kommunen, die rund 30 Prozent der RWE-Aktien halten und noch immer großen Einfluss ausüben, mit Kopfschütteln. Der Verkauf der Wassersparte Thames Water brachte zwar einen unerwartet hohen Verkaufserlös von zwölf Mrd. Euro ein. Zugleich ist es Roels aber nicht gelungen, eine Vorwärtsstrategie zu entwickeln.

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