Aufsichtsrat tagt
RAG will die Degussa ganz für sich allein

Der Chef des Essener RAG-Konzerns, Werner Müller, ist fest entschlossen, das Düsseldorfer Spezialchemieunternehmen Degussa komplett zu übernehmen. Scheitert er, droht der eigene Börsengang zum Desaster zu werden.

DÜSSELDORF. Am Montagvormittag kommt der RAG-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Eon-Chef Wulf Bernotat zu einer außerordentlichen Sitzung in Essen zusammen. Dann will sich Müller von seinen Kontrolleuren ein Eckpunktepapier zum Kauf des 43-Prozent-Pakets von Eon an Degussa absegnen lassen. Die RAG ist bereits Mehrheitsaktionär der Degussa. Am Montagabend tagt dann der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon, um ebenfalls den Degussa-Verkauf zu besiegeln. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmens- und Aufsichtsratskreisen beider Unternehmen. Sprecher von RAG und Eon lehnten eine Stellungnahme ab.

Müller braucht die Degussa, damit der inzwischen für das Frühjahr 2007 geplante Börsengang der früheren Ruhrkohle ein Erfolg wird. „Erst die Tochter Degussa macht die Mutter RAG schön“, sagte Konrad Bösl von der Unternehmensberatung Schlecht & Partner dem Handelsblatt. Die Münchener Spezialisten beraten Unternehmen auf dem Weg zur Börse. Degussa habe am Kapitalmarkt einen guten Namen und sorge für die notwendige Wachstumsphantasie der Aktie, sagte Bösl.

Allerdings ist die RAG mit 4,6 Mrd. Euro verschuldet. Da die Kassen leer sind, muss das Unternehmen die Degussa-Übernahme vollständig mit Krediten finanzieren – wodurch die Verschuldung wieder auf fast 8 Mrd. Euro steigen würde. Müller ist jedoch zuversichtlich, dem RAG-Aufsichtsrat am Montag ein belastbares Finanzierungskonzept präsentieren zu können. Sollte er das Kontrollgremium nicht überzeugen, wäre das ein herber Rückschlag für Müller. Unternehmenskreise schließen dann seinen Rücktritt nicht aus.

Vor wenigen Tagen erst hat der Degussa-Aufsichtsrat unter Müllers Vorsitz Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht beauftragt, den Verkauf der rentablen Unternehmenssparte Bauchemie zu prüfen. Nach Einschätzung von Experten dürfte allein die Veräußerung der Bauchemie der RAG fast zwei Mrd. Euro bringen. „Der Verkauf der Bauchemie ist ein wichtiger, aber zeitlich nachrangiger Bestandteil unseres Finanzierungskonzeptes“, hieß es in RAG-Kreisen.

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