Auftrag für Kampflugzeug
Türkisches Militär zieht US-Jet vor

Die Hoffnung des Eurofighter-Konsortiums auf einen Großauftrag aus der Türkei droht sich zu zerschlagen. Die Militärs in Ankara favorisieren das konkurrierende US-Kampfflugzeug F-35, den Joint Strike Fighter (JSF). Die Regierung werde dieser Empfehlung „sehr wahrscheinlich folgen“, heißt es in türkischen Militärkreisen.

ANKARA.Es geht um 100 oder mehr Kampflugzeuge der vierten Generation. Der Auftrag könnte ein Volumen von über zehn Mrd. Dollar erreichen. Das türkische Verteidigungsministerium erklärte bisher, man werde sich entweder für den Eurofighter oder für die F-35 oder für beide Modelle in kleineren Mengen entscheiden. Das europäische Flugzeug galt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der türkischen EU-Kandidatur als Favorit. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bei ihrem Besuch in der Türkei Anfang Oktober für den Eurofighter eingesetzt.

Die türkische Regierung will bis Ende des Jahres entscheiden, welches Kampflugzeug bestellt wird. Eine Vorentscheidung könnte aber bereits diese Woche beim Besuch des türkischen Verteidigungsministers Vecdi Gönül in den USA fallen. Gönül trifft heute mit seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld zusammen. Er wird vom Chef des militärischen Beschaffungswesens, Murad Bayar, begleitet und will auch die JSF-Montage bei Lockheed Martin besichtigen.

Dass sich die Streitkräfteführung jetzt für den JSF stark macht, dürfte auch politische Gründe haben. Der neue Generalstabschef Yasar Büyükanit, der im Februar zum Antrittsbesuch nach Washington reisen will, arbeitet an einer Normalisierung der seit Jahren gespannten Beziehungen zu den USA. Dabei geht es dem Generalstabschef auch um die Rückendeckung Washingtons beim Kampf der türkischen Militärs gegen die befürchtete Islamisierung der Türkei unter der gegenwärtigen Regierung.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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