Auftragsrückgang
MAN verdient weniger Geld und prüft Kurzarbeit

Der Nutzfahrzeug-Hersteller erleidet einen Gewinnrückgang. Spediteure transportieren weniger Güter und sparen. Der Verkauf von Lastwagen in Europa bricht ein. Die Volkswagen-Tochter könnte die Produktion weiter drosseln.
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MünchenBei seinem Amtsantritt gab sich Anders Nielsen noch großspurig. „Wir wollen Daimler herausfordern“, sagte der neue MAN-Lkw-Chef. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt ist die Euphorie verflogen. Schon auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover hatte sich der Lkw-Bauer der Wolfsburger mit großen Ankündigungen zurückgehalten. Nielsen gab sich wortkarg. Er wolle sich erst einmal einen Überblick über die aktuelle Situation des Unternehmens machen. Nun liegen erste Zahlen vor. Die dürften dem neuen Chef nicht gefallen.

Denn der Nutzfahrzeug-Hersteller hat im dritten Quartal deutlich weniger Gewinn eingefahren. Unter dem Strich verdiente die Volkswagen-Tochter zwischen Juli und September 61 Millionen Euro. Vor einem Jahr waren es noch 171 Millionen Euro. Der Umsatz des Konzerns sank um gut vier Prozent auf 3,9 Milliarden Euro, wie MAN am Dienstag in München mitteilte. Das anhaltend schwierige Marktumfeld habe die Profitabilität belastet, hieß es.

Nun prüft MAN für das kommende Jahr Kurzarbeit. „Wir sind dazu in Gesprächen mit den Gewerkschaften“, sagte Nielsen, am Dienstag in München. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betonte der Manager bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. In dieser Woche schickt die VW-Tochter in Salzgitter und München bis zu 15.000 Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. Vom 21. Dezember bis 11. Januar ruht die Produktion ebenfalls.

Der Auftragseingang ging im dritten Quartal um 14 Prozent zurück auf 3,52 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten konnte MAN durch Zuwächse etwa in Russland noch Rückgänge ausgleichen. Im dritten Quartal seien vor allem die Neubestellungen für Lkw gesunken. Mit einer operativen Rendite von 3,3 Prozent im Nutzfahrzeuggeschäft lag MAN hinter Volvo (3,8 Prozent in der Lkw-Sparte), Daimler Trucks (6,3 Prozent) und dem ebenfalls zu VW gehörenden schwedischen Hersteller Scania.

Wie den Rivalen Volvo oder dem schwedischen VW-Schwesterunternehmen Scania verdirbt die Rezession in vielen Teilen Europas auch den Münchnern das Geschäft. Die Verkäufe in Europa sind eingebrochen. Nach den Statistiken des Branchenverbandes Acae sanken die europaweiten Zulassungen im September auf 150.910 Fahrzeuge - 13,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Insbesondere in Spanien und Italien brachen die Verkäufe ein, aber  auch in Deutschland gingen die Zulassungen um knapp 17 Prozent zurück.

„Die Märkte für unsere Produktion entwickeln sich nicht so gut, wie es vergangene Prognosen vermuten ließen“, warnte Nielsen seine Mitarbeiter bereits in einem internen Brief, wie die Süddeutsche Zeitung zuletzt berichtete. Die Lage sei zwar nicht so schlimm wie in 2009. Doch den Hauptabsatzmarkt Europa treffe die Krise besonders hart. „Nun ist es wichtig, dass wir angemessen und schnell auf die Situation reagieren“, so Nielsen weiter.

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