Aus Angst vor Festnahmen
Yukos-Manager verlassen Russland

Aus Angst vor Festnahmen hat das Management des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos Unternehmenskreisen zufolge das Land verlassen. Die Nachricht löste einen erneuten Kurssturz der Yukos-Aktie aus.

HB MOSKAU. „Alle Top-Manager haben das Land wegen einer Atmosphäre aus Angst und Terror, die das Unternehmen lahm legen soll, verlassen“, hieß es am Donnerstag. „Die Firma ist enthauptet worden.“ Yukos-Chef Steven Theede und Finanzchef Bruce Misamore, beide US-Staatsbürger, seien nach London geflogen und hätten den durch Steuernachforderungen in Höhe von 18,8 Milliarden Euro vom Konkurs bedrohten Konzern führungslos zurückgelassen. Drei weitere Manager, darunter der Chef der Ölproduktion Juri Beilin, hätten Russland ebenfalls verlassen. Marketing-Chef, Pjotr Solotarew, habe gekündigt, hieß es weiter. Dem Druck der Ermittlungsbehörden sei nun das mittlere Management ausgesetzt: „Sie kommen, oft beschlagnahmen sie nichts, verwüsten Wohnungen und Häuser und gehen wieder,“ hieß es in den Kreisen.

Yukos-Sprecher Alexander Schadrin kommentierte die Angaben aus Unternehmenskreisen nicht. Er sagte lediglich, die Zentrale arbeite normal und das Unternehmen fördere die gewohnte Menge Öl. Eine Yukos-Sprecherin in London sagte, Misamore beabsichtige, nach Russland zurückzukehren, wolle jedoch zunächst die US-Behörden konsultieren. Russische und britische Medien hatten zuvor spekuliert, der russische Generalstaatsanwalt habe Misamore wegen der Ermittlungen gegen Yukos vorladen wollen. Dazu sei es nicht mehr gekommen, weil dieser das Land bereits verlassen habe. Bei der Staatsanwaltschaft in Moskau war dazu kein Kommentar zu erhalten.

Der Kurs der Yukos-Aktie fiel am Donnerstag um 20 Prozent auf 1,080 Rubel. Der Kurs lag damit um 94 Prozent unter dem im vergangenen Jahr verzeichneten Höchststand. Politische Experten bewerten den Steuerstreit als politisch motiviertes Vorgehen der russischen Regierung und von Präsident Wladimir Putin, weil der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski politische Ambitionen gezeigt hatte. Gegen den in Haft sitzenden Manager läuft ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Betrugs.

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