Ausbau von Stromtrassen
Netzbetreiber Tennet verhandelt mit US-Investor

Es bedarf riesiger Investitionen, um das deutsche Stromnetz für die erneuerbaren Energien fit zu machen. Ein US-Unternehmen will dem Netzbetreiber Tennet mit einer Milliardensumme helfen. Der bestätigt die Gespräche.
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BerlinDas US-Unternehmen Anbaric will dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit mindestens vier Milliarden Euro bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks unter die Arme greifen. Man habe bereits potente Investoren hinter sich versammelt und Gespräche mit Tennet, der Bundesregierung und der EU-Kommission geführt, sagte Anbaric-Chef Edward N. Krapels dem Handelsblatt. „Wir würden Tennet gerne helfen“, sagte er. Der Anbaric-CEO verweist auf die Erfahrungen seines Unternehmens bei der Planung, Durchführung und Finanzierung von Stromkabelverbindungen in den USA.

Tennet bestätigte am Montag den Kontakt zu Anbaric: „Ja, ich habe mich mit Anbaric-Chef Ed Krapels getroffen. Und wir haben nicht über Fußball geredet“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman dem Handelsblatt. Neben Krapels gebe es eine Reihe anderer Investoren, die Interesse an einem Einstieg bei Tennet hätten, sagte Hartman. Er dementierte damit eine Reuters-Meldung vom Montag, in der Hartman mit dem Satz zitiert wird, er kenne Krapels nicht. „Das stimmt nicht“, sagte Hartman dem Handelsblatt. Nach Informationen des Handelsblattes aus Verhandlungskreisen war auch Tennet-Finanzvorstand Eelco de Boer bei dem Treffen mit Krapels dabei. Die Gespräche seien vielversprechend gewesen, hieß es weiter.

Aus Sicht der Bundesregierung kommt Krapels wie gerufen. Der Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee gehört zu den tragenden Säulen der Energiewende. Bis 2020 sollen Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW) im Meer installiert sein. Das entspricht der Leistung von zehn konventionellen Großkraftwerken. Bislang sind aber erst weniger als 300 MW fertig.

Als Flaschenhals erweist sich die Netzanbindung. Netzbetreiber Tennet, in dessen Netzbereich alle Windparks in der Nordsee fallen, kommt mit dem Bau der Leitungen zum Festland nicht nach. Entwickler von Windparks sagen deswegen Projekte ab. Tennet räumt ein, finanziell überfordert zu sein und sucht Investoren. Bislang erwies es sich als schwierig, Geldgeber zu finden, weil Haftungsfragen ungeklärt waren. Im Kern geht es um die Frage, wer für den Schaden aufkommt, wenn eine Leitung verspätet fertig wird oder während des Betriebs ausfällt. Die Bundesregierung hat mit der Branche eine Haftungsregelung entwickelt, die derzeit im parlamentarischen Verfahren steckt: Der Netzbetreiber haftet in der Bauphase und beim Betrieb der Kabel, wenn Schäden aufgrund leichter Fahrlässigkeit entstehen. Außerdem hat er jährlich einen Selbstbehalt von 100 Millionen Euro zu tragen. Der Rest wird über die Netzentgelte auf die Stromverbraucher umgelegt.

Krapels hält eine Reduzierung des Selbstbehalts für erforderlich und wünscht sich eine Änderung bei der Haftung: „In der Bauphase darf der Netzbetreiber äußerstenfalls für grobe Fahrlässigkeit in Haftung genommen werden, in der Betriebsphase kann man auch über die Haftung für leichte Fahrlässigkeit reden“, sagte Krapels. Wenn die Gesetzgebung in dieser Form durchgehe, „können wir sofort loslegen“. In der Koalition stößt er damit auf Verständnis: Er sehe in dieser Frage durchaus Handlungsbedarf, sagte Thomas Bareiß (CDU), energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion, dem Handelsblatt. Es gehe darum, die Risiken fair zu verteilen und Investitionsanreize zu setzen.

Krapels sagte, es gebe eine Reihe seriöser Investoren aus den USA und Europa, die mitmachen würden. Anbaric hat in Deutschland bereits eine GmbH gegründet, die anderen Investoren offensteht. Ziel ist es, sich mit 70 oder 80 Prozent an zunächst vier Netzanbindungsprojekten zu beteiligen. „Wir wollen nicht das operative Geschäft übernehmen, aber wir wollen mit unserem Know-how den anderen Investoren Sicherheit geben“, sagte Krapels.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • @ Volkswirt
    Ja ja das Problem mit den Politikern und der "Sandkastenökonomie". Da haben Sie völlig Recht. Auch die Tatsache wie die TenneT an das deutsche Netz gekommen ist, ist äußerst dubios und sollte nochmal untersucht werden. Merkwürdig ist auch, dass laut Presse ja offensichtlich Interessenten da sind. Ich vermute aber, dass TenneT trotz wohlwollender Bekundungen des holländischen Staates diese aber nicht als EK-Investoren wollen. Da würde man ja als Geldgeber mitreden wollen, oder?! Das Ziel von TenneT ist nach wie vor, dass der deutsche Staat stützt und gleichzeitig der deutsche Bürger zahlt. Man sollte und darf nicht vergessen, dass der deutsche Bürger bei der Haftung die Risiken der Windparkbetreiber, der politischen Entscheidungen und der TenneT (inklusive Verzögerungstaktik) trägt. Noch dazu soll der Bürger für die bereits verzögerten Offshore-Anschlüsse haften? Ein Witz der Seinesgleichen sucht. Privat darf man auch keine Versicherung nach dem Schaden abschließen und kassieren. Wer versichert den Bürgern eigentlich, dass Anbaric und andere Investoren, wie bereits getan, über die Haftungsfragen meckern. Vielleicht gibt es ja diesbezüglich Absprachen zwischen TenneT, Anbaric und anderen Investoren? Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Regierung bessert die Haftungsfragen zu Lasten der Bürger und zu Gunsten der TenneT nach.
    Irgendwie sieht man hier auch, warum solche ÜNBs wie TenneT reguliert werden müssen und genauer von der BNetzA durchleuchtet werden sollten.

  • Teil 2 Fortsetzung:
    Dazu muss langfristig in Netze investiert werden und ein sinnvoller koordinierter Netzentwicklungsplan sollte vorgelegt werden. Aber Tennet ist nur an kurzfristiger und dazu noch hoher Rendite interessiert. Die übrigen drei Netzbetreiber kochen auch nur ihr eigenes Süppchen. Jetzt sollen noch dubiose Finanzhaie aus USA "helfen"? Zynischer geht's fast gar nicht mehr. Die Deutsche Netz AG in staatlicher DEUTSCHER Hand ist längst überfällig. Der Energiekommissar, Herr Oettiger denkt bereits auch über eine Verstaatlichung nach und hat an dieser Stelle Recht. Zumindest ist eine staatliche Lösung für natürliche Monopole noch das geringste Übel in der Marktwirtschaft. Die Historie spricht eine eindeutige Sprache. Leider wird unsere Regierung bis zu den Wahlen im nächsten Jahr nichts mehr machen können. Rössler, Altmaier und co ist es wahrscheinlich sowieso egal, wenn die Karten im nächsten Jahr neu gemischt werden. Aber es ist wirklich fünf vor zwölf. Essentielle deutsche Infrastrukuren befinden sich in unverantwortlichen Händen. Ein Appell an Frau Merkel: Handeln Sie endlich jetzt! Sonst werden Sie noch erleben, wie sich die Industrie nach und nach aus Deutschland verabschiedet.

  • An dieser Stelle kann man dem Volkswirt2 nur zustimmen. Eine Enteignung ist zwar in einem (prinzipiell noch einigermaßen) demokratischen Staat wie Deutschland immer noch als letztes Mittel zu sehen, aber angesichts der Tatsache, dass Tennet bewußt die Energiewende vom Anfang an behindert und eigentlich nie das Interesse an Offshoreanbindung hatte (siehe diverse Artikel), bleibt keine andere Lösung übrig. Die Regierung hat zum Zeitpunkt des Verkaufs von E.ON Netz einfach verpennt und sich das Treiben der niederländischen Kommissarin Neelie Kroes nicht genau angeschaut. Nur ihr ist es zu verdanken, dass Holländer ein deutsches erwerben durften. Ein Staatsanwalt sollte sich die Sache sehr genau angucken, warum ein finanzschwaches holländisches staatliches Unternehmen überhaupt so leicht die sensibelsten deutschen Stromnetze erwerben konnte. Es stinkt nach Politkrimi und Korruption in der EU bis zum geht nicht mehr. Tatsache ist, unabhängig davon was man von der Energiewende halten kann, das große Vorhaben der Energiewende wird mit Tennet nicht gelingen. Langfristig kann ein Übergang von fossiler Erzeugung auf eine aus erneuerbaren Energien Sinn machen. Teil 2 folgt...

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